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Theresa Martini zeigt die vielen Facetten von Marlene Dietrich auf. Foto: Molnar
Theresa Martini zeigt die vielen Facetten von Marlene Dietrich auf. Foto: Molnar
18.05.2017

Ausverkauftes Foyer bei „Martini meets Marlene“

Pforzheim. Sie sang für die Soldaten im Zweiten Weltkrieg, liebte Männer und Frauen und blieb als Amerikanerin immer auch Deutsche – Marlene Dietrich. Um den „Blaue Engel“-Star der Zwanziger Jahre ranken sich Legenden und Mythen, von denen mancher Besucher im ausverkauften Foyer des Theaters Pforzheim vielleicht zum ersten Mal hört. Die Schauspielerin Theresa Martini erzählt sie mit Elan, nähert sich der „Dietrich“ in vielen Facetten und bleibt dabei doch ganz sie selbst.

Das ist es vielleicht, was den Abend „Martini meets Marlene“, der am Dienstagabend Premiere feierte, unterhaltsam und reizvoll, aber auch ein wenig enttäuschend macht. Wo ist der Vamp, wo die erotische „Femme fatale“? Die eher mädchenhaft wirkende Theresa Martini hat durchaus Charme und auch eine ausdrucksstarke Stimme, mit der sie bedeutende Lieder wie „Sag’ mir wo die Blumen sind“, „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ und den bis zur Zugabe aufgesparten Titel „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ zur Geltung bringt. Doch ein bisschen fehlt immer das typisch Tiefe und Verführerische.

Marlenes teils vibrierende Stimme versucht Martini bei dem übermütigen „Boys In The Backroom“ kurz nachzuahmen, kiekst und wirft als Theresa aber lieber den Hut weg – mit dem Kommentar: „Da geh’n immer die Pferde mit mir durch an dieser Stelle.“ In den tiefen Tönen kommt die Schauspielerin dem Original nahe, bei „Johnny“ etwa, mit dem sie zum zweiten Teil überleitet: Marlene als gefeierte Entertainerin.

Zuvor steht der Einsatz der Dietrich im Krieg in Vordergrund. Passend trägt Martini eine Soldatenkappe und braune Hose, kommt nachdenklich mit der „inoffiziellen Hymne des Zweiten Weltkriegs“ daher – „Lili Marleen“. Als Zeichen für den Frieden singt sie das Lied später noch mal mit dem Publikum. Viele Anekdoten weiß Theresa Martini über die „starke Verfechterin der Menschenrechte“ und „streng erzogene Soldatentochter“ zu erzählen, wie sie für die GIs tanzte und kochte, mit wem sie Affären hatte oder wie sie als Truppenbetreuerin von Front zu Front zog.

„Sie saß gerade im offenen Jeep, als sie von den Deutschen eingekesselt wurden“, erzählt die Schauspielerin. Einem General, „37, dunkelhaarig, gut aussehend“, verdankte Marlene ihre Rettung – worauf sie prompt eine Liebschaft mit ihm anfing. „Auch mit dem Oberst?“, will der Stuttgarter Pianist Michael Holder wissen, der das Programm einfühlsam und mit jazzigem Schwung begleitet. „Wie sollte ich, der war ja nie an der Front“, antwortet Martini als Marlene. So wechseln kurze Szenen mit Liedern und Streifzügen durchs Publikum. Eine Rose will sie bei „Kinder, heut’ Abend, da such’ ich mir was aus“ an den Mann bringen, doch bei den Pforzheimern ist das gar nicht so einfach – zumal die Sängerin dafür einen Kuss möchte. Erst bei Norbert hat sie Glück. Viel Applaus.