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Graziöse Einstimmung: Die jungen Tänzerinnen des Ballettzentrums am Theater sind „Zu Besuch bei Coppelia“.  Foto: Meyer 

Ausverkauftes Haus bei „Stille Nacht, Heilige Nacht“ im Theater: Abwechslungsreiches Programm zugunsten von PZ-Aktion „Menschen in Not“.

Pforzheim. Was ist das Geheimnis, dass das Benefizkonzert „Stille Nacht, Heilige Nacht“ seit 22 Jahren jedes Mal ausverkauft ist? Draußen, vor dem Theater, hetzen sie am 24. Dezember noch nach Hause, drinnen ist man völlig aus der gestressten Welt gefallen. Es ist die entspannte Art, sich Heiligabend voller Erwartung dem Fest zu nähern, die dieses Programm zu einem besonderen Anziehungspunkt werden lässt. Ganz sicher aber ist es auch das Bewusstsein, dass man mit dem Kauf der Eintrittskarte etwas Gutes tut, dazu beiträgt, dass die Aktion „Menschen in Not“ der „Pforzheimer Zeitung“ in der Region schnell und unbürokratisch helfen kann.

Es ist immer ein besonderer Tag für alle Mitwirkenden, die ehrenamtlich ein musikalisch geprägtes Programm auf die Bühne bringen, und dass unterschiedlichste Darbietungen die Vielfalt des Bühnenlebens erlebbar werden lassen. Sie blitzen auf wie die Lichter am Baum – in diesem Jahr waren es Weihnachtskugeln, mit denen nach und nach die Tanne geschmückt wurde. Ann-Kathrin Lipps und Thorsten Klein vom Schauspielensemble sorgten nicht nur dafür, dass die ihren passenden Platz fanden, sie leiteten auch durch das Konzert – für beide eine ganz neue Art der Premiere. Andere, wie Klaus Dusek, der für diesen Anlass seine Geburtstagsfeier verlegte, waren schon oft dabei. Dusek sorgte mit bearbeiteten Sequenzen aus bekannten Chorälen und dem Tieftöner Quartett für einen der Höhepunkte des Nachmittags: Zwei Celli und zwei Kontrabässe bildeten ein besonderes Klangerlebnis.

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Georgia Gounari erfreut mit Puccini und Johann Strauss. Foto: Meyer

Gestaltet wurde das Programm von Solisten und Gästen, dem Kinderchor des Theaters Pforzheim, Mitgliedern der Badischen Philharmonie und des Ballettzentrums am Theater. Die musikalische Leitung hatte Chordirektor Alexandros Diamantis übernommen. Er schickte als anmutigen Auftakt die Elevinnen des Ballettzentrums – Solistinnen waren Anne Sophie Schenkel und Jana Stiess – mit einem Besuch bei „Coppelia“ auf die Bühne. Auf einen festlichen Tag stimmte mit Manfredinis Weihnachtskonzert ein Streicherensemble ein. Es folgte Leon Nakamoto mit „Betrachte meine Seel“ aus Bachs „Johannespassion“. Begleitet wurde er – wie die meisten der Solisten – von Erina Yamane-Beutelspacher am Flügel, die anschließend zusammen mit Misa Nakamoto eine überzeugende Interpretation des vierten Satzes der Violinsonate von César Franck bot. Weihnachtlich ging es mit „Adeste Fideles“ und „Torna a Surriento“ und den Interpreten Jeremy Buck und Matthias Frick weiter, ehe Markus Löchner mit Jogginghose, Bierflasche und Unterhemd einen deftigen Kontrapunkt mit Einblicken in ein imaginäres schwäbisches Familienleben zum „depperten Weihnachten“ lieferte.

Mit einer kraftvollen Interpretation von „My Way“ setzte Philipp Werner einen Akzent, ehe dann der erste Satz des Konzerts für Kontrabass von Bottesini einen Solisten auf die Bühne brachte, der als Pforzheimer Theaterkind seinen Weg zum Leipziger Gewandhausorchester gefunden hat. Aaron Pagani, Sohn von Requisiteurin Annette Pagani und dem Sänger Matthias Pagani, hatte schon mit zwei Jahren das erste Benefizkonzert im Theater miterlebt – am Dienstag stand er nun selbst mit einem virtuosen und umjubelten Kontrabass-Solo auf den heimatlichen Brettern. Begeistert gefeiert wurde auch Georgia Gounari für die perlende Leichtigkeit ihres Soprans bei Musettas Arie aus „La Bohème“ und „Mein Herr Marquis“ aus „Die Fledermaus“.

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Benefizkonzert „Stille Nacht, heilige Nacht“ im Theater

Thorsten Klein präsentierte sich als Sänger mit „Wherever You Walk“ von Händel und „Have Yourself A Merry Little Christmas“. Dieter Huthmacher versetzte dem aktuellen Stadtgeschehen ein paar satirisch-heitere Hiebe im musikalischen Gewand eines Weihnachtslieds. Und das bekannte „Wir schenken uns nix“. Für einen Paukenschlag in den Ohren des Gemeinderats sorgte PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer für das Pforzheimer Theater: „Diese Stadt braucht das Theater, dieses Drei-Sparten-Haus leistet eine hervorragende Arbeit.“ Sein Dank galt dem Ensemble „für alles, was Sie für uns tun“.

Mit einer russischen Version von Franz Schuberts Serenade ließ Marina Meijinska noch eine recht unbekannte musikalische Saite anklingen, ehe der Kinderchor mit einer musikalischen Weihnachtsreise zusammen mit dem Publikum und dem Ensemble ein berührendes und fulminantes Finale anstrebte. Stehende Ovationen belohnten alle Mitwirkenden.