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Big-Band-Sound im Kreuzganggarten: German Brass sorgt für ein ausverkauftes Konzert. Foto: fotomoment
Big-Band-Sound im Kreuzganggarten: German Brass sorgt für ein ausverkauftes Konzert. Foto: fotomoment
18.07.2017

Ausverkauftes Klosterkonzert: Preisgekröntes Ensemble ist Publikumsmagnet

Maulbronn. Der weit gezogene Klangbogen reicht vom Barock bis zur amerikanischen Moderne, von der streng durchkomponierten Fuge bis zum Soundtrack. In metallisch gleißenden Farben musiziert „German Brass around the world“, und die 600 Zuhörer im sommerfrischen Kreuzganggarten des Maulbronner Klosters sind von den zehn Blechbläsern samt Schlagzeuger hell begeistert.

Kein Wunder, dass dieses Klosterkonzert ausverkauft ist. Denn das vielfach preisgekrönte Ensemble versteht es, mit einem Mix aus Klassik und populärer Musik kurzweilig zu unterhalten und ist im In- und Ausland ein Publikumsmagnet. Dazu tragen die Moderationen des Hornisten Klaus Wallendorf bei – an Wilhelm Busch geschulte Reime, gespickt mit witzigen Pointen, trockenem Humor und bayerisch verballhorntem American-English. Vor allem aber fesselt der einmalige, oft voluminöse, mit höchst virtuosen Details durchsetzte Sound. Den haben die Bläser in erster Linie ihrem Arrangeur und Star-Trompeter Matthias Höfs zu verdanken, der einen überraschenderweise an Johann Sebastian Bach erinnern Musizierstil kreiert hat.

Mit dem barocken Großmeister eröffnet denn auch das Klosterkonzert. Gegeben werden die Kantate „Wir danken Dir, Gott“ (BWV 29) und ein Arrangement der Orgel-Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565). Erstaunlich, wie die Staccato-Passagen und Intervall-Sprünge, die Manual-Läufe und Engführungen – auf verschiedene Bläser-Parts verteilt – gemeistert werden. Freilich wirkt der Gesamtklang für Freunde Bach’scher Orgelmusik, die leider viel weniger Fans als German Brass anlockt, ziemlich blechern eingefärbt.

Schwungvoll-tänzerisch und folkloristisch farbintensiv folgt die Schnellpolka „Éljen a Magyari!“ von Johann Strauß Sohn. Dann interpretieren die Brass-Solisten mit traumhaften Halteton-Längen „Somewhere“ aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ sowie aus dem selben Musical äußerst rasant die „America“-Nummer.

Vor der Pause gibt es noch George Gershwins „Rhapsody in Blue“ mit sensationell jazzigen Bläser-Schleifern. Danach geht es improvisierend kunterbunt zu, allerlei Potpourris sind angesagt. Darunter ein Gershwin-Medley und Ennio Morricones Filmmusik zu „The Mission“ mit einem gefühligen Solo, das Matthias Höfs auf der hohen Piccolo-Trompete hinreißend schön interpretiert. Big-Band-Klänge und ein dunkles, samtig weiches Posaunen-Solo (Uwe Füssel) erfreuen in der Wiedergabe des Stücks „Fly Me To The Moon“. Auch eine musikalische „Tour de France“ und cooler Bossa Nova sind zu hören. Nach einem fulminanten Schlagzeug-Solo (Herbert Wachter) mündet alles in eine ausgelassene Jam Session. Das Publikum ist aus dem Häuschen, und Zugaben gibt es als Dank.