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Im Plauderton: der Deutsch-Syrer Rafik Schami. Foto: Roller
Im Plauderton: der Deutsch-Syrer Rafik Schami. Foto: Roller
29.11.2017

Autor Rafik Schami bringt Publikum in Remchingen die Vielfalt der arabischen Welt näher

Remchingen. Es gibt Menschen, die so gut und so authentisch erzählen können, dass man sich wünscht, sie würden nie damit aufhören. Eine seltene Gabe, über die auch Rafik Schami verfügt.

Als der deutsch-syrische Autor am Montagabend die Bühne der Remchinger Kulturhalle betritt, hat er keine Ausgabe seines neuesten Romans „Sami und der Wunsch nach Freiheit“ in der Hand. Worum es darin geht, weiß er nämlich auswendig. Vollkommen frei erzählt er seinen Zuhörern die Geschichte von Scharif und Sami: zwei kleine Jungen, die unter ärmlichen Bedingungen in Syrien aufwachsen, genauer gesagt, im christlichen Viertel von Damaskus. Zwei Jungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch unzertrennlich sind. Während Scharif ruhig, zurückhaltend und ängstlich ist, kann Sami Unrecht nicht ertragen und nimmt aus jedem seiner teilweise gefährlichen Abenteuer eine neue Narbe an seinem Körper mit. Eine stammt von einer Glasscherbe, die ihn am Knie verletzt, als er eine Katze aus einem Fluss rettet. Eine andere von dem Versuch, für seine geliebte Schwester unter größten Anstrengungen ein Brot mit Quittengelee zu besorgen. In Syrien sei Quittengelee nämlich etwas ganz Besonderes, erklärt Schami. Etwas, das man nur sonntags esse. Kein Wunder, dass sich Samis Schwester in der von ihm erzählten Geschichte riesig über diesen kleinen Luxus freut.

Mix von Realität und Fiktion

Wie in einem Mosaik reiht sich bei der Lesung in Remchingen eine Episode an die nächste. Im Plauderton lässt der Autor die Zuhörer teilhaben am Leben seiner beiden jungen Protagonisten. Er erzählt von dem Tag, an dem sie zu alt sind, um mit ihren Müttern in das traditionelle Bad, den „Hammam“, zu dürfen. Er berichtet, wie Sami mit Karate und Judo seinen gewalttätigen Vater davon abhält, seine Mutter zu schlagen. Und er beschreibt den syrischen Schulalltag, in dem die Kinder jeden Morgen rufen müssen: „Unser Präsident herrscht ewig.“

So vermischen sich in Schamis Geschichten geschickt Realität und Fiktion. Auf die Unruhen in Syrien und die damit verbundene Flucht seiner Protagonisten kommt der Autor nur am Rande zu sprechen. Er selbst ist schon im Jahr 1971 in die Bundesrepublik ausgewandert und hat für sein literarisches Schaffen bereits mehr als 30 Auszeichnungen erhalten. Mit den Geschichten, die er in Remchingen erzählt, bringt er den Zuhörern die Vielfalt der arabischen Welt ein bisschen näher. Als er seine Lesung nach etwas mehr als einer Stunde beendet, kommt es einem vor, als hätte sie nur einen Bruchteil der Zeit gedauert.