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Mitreißend: Wolfgang Niedeken. dpa 

BAP lässt über drei Stunden die Schwarzwaldhalle kochen

Karlsruhe. Das haben die Kölner Band BAP und die Schwarzwaldhalle in Karlsruhe wohl selten erlebt: Beim Konzert der berühmtesten deutschen Dialekt-Rocker erheben sich die meisten der 3000 Besucher schon beim ersten Ton der fünf Begleitmusiker von ihren Plätzen und klatschen begeistert, noch ehe Frontmann Wolfgang Niedeken überhaupt „Frau, ich freu mich“ ins Mikrofon röhrt. Die Fans verwandeln den Saal sofort in ein Tollhaus. Da zeigt sich selbst Niedecken sichtlich beeindruckt: „Hallo, Karlsruhe, was ist denn hier los? Man hat euch doch extra Sitzgelegenheiten angeboten.“

BAP heizt sofort ein. Niedecken & Co. legen sich voll ins Zeug, und schon nach den ersten beiden Titeln muss der Sänger und Leitwolf schweißgebadet zum Handtuch greifen. Die Temperaturen sind an diesem schwülen Abend ohnehin hoch genug. Und nach einem Song aus seinem neuesten Album „Lebenslänglich“ über seine Kindheit „Alles relativ“, dem achten der insgesamt 29 Stücke, stöhnt Niedecken: „Könnt Ihr Mal die Heizung runterdrehen?“

Dass die treue BAP-Gemeinde auch still zuhören kann, beweist sie beim nachdenklichen „Jupp“, als sich alle mal – wenn auch nur für wenige Minuten – hinsetzen und andächtig lauschen, ehe es mit „Aff un zo“ wieder in die Vollen geht. Endlich lässt sich Niedecken auch auf einem Stuhl auf der Bühne nieder, um langsamere Titel wie „Jraaduss“, „Alles im Lot“ und „Do kanns zaubere“ zu zelebrieren, ehe mit „Kristallnaach“ und „Verdamp lang her!“ seine bekanntesten Nummern die kaum mehr steigerbare Stimmung zum Kochen bringen. Und der unermüdlich gegen Rechtsradikale und Ungerechtigkeiten ankämpfende Niedecken bedauert: „34 Jahre ist Kristallnaach alt, aber immer noch brandaktuell.“ Zwei Stunden hat er da bereits gespielt. Erst nach dreieinviertel Stunden verlässt BAP die Bühne, und ein denkwürdiger Abend endet nach insgesamt acht Zugaben. „Dä Herrjott meint es joot met mir“, singt Niedecken zuvor, wobei sich Erinnerungen an den Schlaganfall des heute 65-Jährigen Ende 2011 aufdrängen. Und als der kölsche Jong dann „Et letzte Lied“ singt, ist dann wirklich das letzte Lied angesagt.

Bruno Knöller