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Erster Auftritt aus Duo: Friedemann Wuttke (links) und Bernhard Lörcher. Foto: rdf

Bach trifft auf Piazzolla: Viel Beifall für Konzert mit Wuttke und Lörcher

Heimsheim. Wie für Kammermusik geschaffen: Der Heimsheimer Schlosssaal gab dem Konzert von Bernhard Lörcher (Violoncello) und Friedemann Wuttke (Gitarre) einen geradezu perfekten Rahmen. Die beiden Instrumentalisten präsentierten Werke dreier Komponisten: Bernhard Lörcher widmete seinen, das Gastspiel eröffnenden Solo-Part Johann Sebastian Bach (1685-1750), Friedemann Wuttke brachte Etüden und Préludes des Brasilianers Heitor Villa-Lobos (1887-1959) zu Gehör, und gemeinsam musizierten beide aus dem Werk des Argentiniers Astor Piazzolla (1921-1992).

Für den roten Faden des transatlantischen Vortrags sorgte die präzise und detailkundige Moderation des hörfunkerfahrenen Pastors Diederich Lüken. Er erläuterte den mehr als 70 Konzertbesuchern: „Bach ist aus seiner sächsischen Heimat nie herausgekommen. Aber für Villa-Lobos gab es neben ihm selbst nur einen einzigen Komponisten, der es wert war angehört zu werden: Bach.“ Auch Astor Piazzolla begeisterte sich für die Musik des Thomaskantors. Außerdem erinnerte Lüken daran, dass Bachs verschollene Suiten für Violoncello erst vom seinerzeit 13-jährigen Cellisten Pablo Casals (1876-1973) im Antiquariat wiederentdeckt wurden.

Mit äußerster Konzentration trug Lörcher im Anschluss alle sieben Sätze aus Bachs Cellosuite Nr. 5 in c-Moll (BMV 1011) vor: Höhepunkte markierten die Allemande im punktierten Rhythmus, die Courante im temperamentvollen 3/2-Takt und die Sarabande, der wahrscheinlich ausdrucksstärkste einstimmige Satz der Barockzeit. Lörcher schaffte es, seinem Violoncello im Schlosssaal mehrstimmige Klangfülle zu entlocken und erhielt großen Applaus.

„Villa-Lobos hat die Gitarre verstanden“, sagte Friedemann Wuttke: „Und als Komponist ist er ein Glücksfall für die Gitarre.“ Wuttke trug sieben Werke des Brasilianers vor, optisch völlig versunken in sein Spiel, in sein Instrument. Scheinbar mühelos reihte der Stuttgarter hierbei erhabene, aber hauchzarte Flageoletts an komplexe Barré-Griffe. Den zweiten Teil des Konzerts gestalteten Lörcher und Wuttke mit ihrem ersten gemeinsamen Auftritt als Duo. Aus Piazzollas Tango-Nuevo-Vermächtnis trugen sie den bekannten Titel „Adios Nonino“ sowie die Kompositionen „Primavera Porteño“, „Loving“ und „Fear“ vor. Nach stürmischem Applaus gaben sie „Chiquilin de Bachin“ als finale Zugabe.