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Eine feste Größe in Pforzheim: Das Bachorchester, hier gestern auf der Empore der Stadtkirche, wird 50 Jahre alt. Foto: Meyer
Eine feste Größe in Pforzheim: Das Bachorchester, hier gestern auf der Empore der Stadtkirche, wird 50 Jahre alt. Foto: Meyer
30.10.2017

Bachorchester feiert sein 50-jähriges Jubiläum am Reformationstag

Pforzheim. Als Kantaten-Orchester fing es an, als Streicherensemble auf hohem Niveau machte es sich einen Namen – das Bachorchester Pforzheim. Morgen feiert das 1967 von Rolf Schweizer gegründete Ensemble sein goldenes Bestehen – mit der Aufführung von Mendelssohns Reformationssinfonie. Der 50. Geburtstag und das 500. Reformationsjubiläum werden zusammen begangen. Aus diesem Anlass haben sich viele ehemalige und dem Bachorchester nahestehende Musiker zusammengefunden.

Statt 24 Streicher wirken fünfzehn Profi- und 45 Laienmusiker mit. Unter den Zuhörern wird zudem die langjährige Konzertmeisterin Hildegard Kittel anzutreffen sein. Viele dürften sich an ihr großes Engagement noch erinnern. „Sie war zu einer großen Konstante geworden“, erzählt Heike Hastedt, die das Orchester seit 2016 leitet.

So stellte der Konzertmeisterwechsel 2005 auch eine einschneidende Veränderung dar. Kittel selbst hatte ihren Nachfolger Gerd-Uwe Klein gewinnen können, einen Konzertmeister, dessen Spezialgebiet die Alte Musik ist. „Er hat die Spielart des Orchesters beeinflusst“, sagt Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis, der das Ensemble von 2001 bis zur Übergabe an Christian Stähr 2014 leitete. So musiziert dieses Ensemble seit 2012 auch hin und wieder auf historischen Instrumenten – als Bachorchester barock. Seit Anfang der 1970er-Jahre wirken der Violinist Wenzel Philipp und der Bratschist Georg Stübel mit. Als „guter Geist“ gilt die Cellistin Barbara Noeldeke, die als Schülerin begann, als Berufsmusikerin zurückkehrte und viele Kontakte herstellte.

Das Zusammenspiel von Profis und Laien macht denn auch die Einzigartigkeit des Ensembles aus. Vier Berufsmusiker seien regelmäßig dabei, coachen die engagierten Amateure in jeder Stimmgruppe. „Das sorgt zum einen für Motivation, zum anderen zieht es Zuhörer“, so Hastedt. Seit 50 Jahren hat das Bachorchester so über die Stadt hinaus gewirkt, wurde bekannt für große Kirchenmusik. „Es war immer eine Größe in Pforzheim“, sagt Michaelis. Über die Jahre seien die Ansprüche in Sachen Literaturvielfalt und musikalisches Niveau gestiegen.

Wenn auch die Pflege der Werke von Bach stets in Vordergrund stand – etwa mit der zweijährlichen Aufführung des Weihnachtsoratoriums – so führt das Bachorchester längst nicht mehr nur Kantaten im Gottesdienst oder Bach-Werke bei den 1985 eingeführten Bachstunden auf. Das Repertoire wurde um zahlreiche Orchesterwerke aus allen Stilepochen erweitert – auch aus dem 20. Jahrhundert. Im vergangenen Jahr wurde zum Beispiel Benjamin Britten gespielt.

Orchesterkonzerte für Kinder

Das Bachorchester beschreitet jährlich zwölf Kantaten-Gottesdienste und zwei Orchesterkonzerte, begleitet zudem den Motetten- und Oratorienchor, die Jugendkantorei und Evangelische Singschule. „Das Orchester ist auch ein Stück Lebensbegleitung“, sagt die Stadtkirchenkantorin, die die Lichterkonzerte zu Beginn des Jahres zu den stets besonderen Ereignissen zählt. Bis heute habe sich die „sympathische Gruppe“ einen großen Gemeinschaftsgeist bewahrt. Unter dem früheren Bezirks- und Landeskantor Rolf Schweizer, der die Pforzheimer Kirchenmusik prägte und 2016 verstarb, wurden zwischen 1969 und 1999 alljährliche Freizeiten und Konzertreisen durchgeführt. „Da ist das Ensemble zusammengewachsen“, so Hastedt.

In Zukunft will die Kantorin auch für die Orchesterkonzerte das Kinderformat einführen. Die Nachwuchsgewinnung sei immer ein Thema. Vor allem aber wolle sie eines – „auf dem Qualitätsstandard weitermachen“.