nach oben
Oratorienchor, Bachorchester und Solisten sorgen mit der eindrucksvollen Wiedergabe von Bachs Johannespassion für stimmungsvolle Momente in der Stadtkirche.  Seibel
Oratorienchor, Bachorchester und Solisten sorgen mit der eindrucksvollen Wiedergabe von Bachs Johannespassion für stimmungsvolle Momente in der Stadtkirche. Seibel
Johannes Woll dirigiert die Passion.
Johannes Woll dirigiert die Passion.
25.03.2016

Bachs Johannespassion eindrucksvoll in der Stadtkirche dargeboten

In schöner Regelmäßigkeit ist die Johannespassion von Johann Sebastian Bach in Pforzheim zu hören. Nicht immer durfte danach geklatscht werden. Dieses Mal schon: Zögerlich setzt der Applaus in der Stadtkirche nach dem Verklingen der Sterbeglocke ein.

Der Oratorienchor, das Bachorchester auf Instrumenten in historischer Bauweise und das Solistenquintett unter Leitung von Jochen Woll haben ihn sich verdient.

Einen dynamischen und tiefemotionalen Eindruck hat die erste der zwei Aufführungen hinterlassen. Zu verdanken ist dies dem energischen Dirigenten, aber besonders auch dem Tenor Johannes Gaubitz. Als Evangelist hat er den größten Part, führt in Rezitativen durch das zweiteilige Oratorium, das vom Verrat und von der Gefangennahme Jesu, Petrus‘ Verleugnung, den Verhören und der Verurteilung durch Pilatus sowie von der Kreuzigung und Grablegung handelt.

Souveräner Erzähler

Lebendig und souverän gestaltet der Solist die Sprechgesänge; er treibt voran, hält inne, bereitet theatralisch vor – und artikuliert den Text stets klar und deutlich. Den lyrisch-sanften Ton bringt er genauso mit wie den kämpferisch-pathetischen – ein idealer Erzähler, dessen eindringliches „weinete bitterlich“ berührt. Mit Stimmkraft gelingt Gaubitz auch die anspruchsvolle Arie „Erwäge“.

Weitaus weniger Anteil hat die Sopranistin Monika Mauch, die ihre leuchtend-leichte Stimme aber gut zur Geltung bringt – bei der Arie „Zerfließe, mein Herze“ mit schönen Akzenten der tiefen Oboe da Caccia. Bei ihrer ersten Arie „Ich folge dir mit freudigen Schritten“ liegt das Augenmerk dagegen bei der leisen Laute, so dass Flöten und Solistin zurückhaltend agieren.

Einen Bass von Statur gibt Matthias Lutze als Jesus ab: Mit seiner charaktervoll-profunden Stimme lässt er keinen Zweifel an Jesus‘ Stärke. Zur Johannespassion passt das gut, steht doch weniger die Opferrolle und Klage als vielmehr die Verherrlichung Gottes im Vordergrund. Baritonal gefärbt, aber nicht minder kraftvoll, sind die Bass-Partien von Felix Rumpf als Pilatus, der zudem die Arie „Eilt, ihr angefochtenen Seelen“ mit Tempo und Nachdruck singt. Altus Alexander Schneider hat eine zarte, helle Stimme, kann aber ebenso energisch auflodern – so etwa bei der bedrückenden Arie „Es ist vollbracht“, wo der Gesang und die warme Gambenbegleitung ein schönes Pendant bilden und Schneider bei den Worten „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ plötzlich kämpferisch wird.

Mit dramatischen Turba-Chören und ausgewogenen Chorälen schafft der Oratorienchor eine beachtliche Leistung. Dirigent Woll lässt oft einzelne Worte wie „Herr“ und „Zeit“ im Eingangschorus oder das dreimal scharfe „nicht“ bei „Wäre dieser nicht ein Übeltäter“ betonen. Auch der Rhythmus wird stark akzentuiert. Die Symmetrie des Werkes – Bach hat um den mittig positionierten Choral „Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn“ mehrere Sätze gleichen musikalischen Materials angeordnet – verstärkt Woll noch durch weitere Akzente. So lässt er das chorische „Sei gegrüßet“ hervorspringen. Die Streicher haben es mitunter schwer, sich auf ihren Darmsaiten durchzusetzen; auch die Bläser sind stellenweise kaum zu hören. Insgesamt aber eine pointiert gelungene Aufführung.