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Entspanntes Plaudern: Staatssekretär Jürgen Walter und Organisator Gerhard Baral (rechts).
Bagger-Romanze und schräge Schau in der Jurte © Ketterl
03.12.2014

Bagger-Romanze und schräge Schau in der Jurte

Herzergreifende Liebesszene mit einem 15-Tonnen-Bagger. Können Sie sich das vorstellen? Ja, werden all diejenigen antworten, die gestern Abend auf dem Turnplatz die poetische, mit unglaublichen Bildern erzählte Geschichte der Gruppe Beau Geste erlebt haben. Es ist ein bisschen wie bei Romeo und Julia, nur dass die Beteiligten ein Bagger (geführt von Willy Defresne) und ein Tänzer, der Franzose Philippe Priasso, sind.

Es beginnt mit einer Aufforderung zum Tanz zu den Klängen von "Mon coer s'ouvre à ta voix" aus Camille Saint-Saëns. Oper "Samson et Dalila", gesungen von der unsterblichen Maria Callas: Der Bagger verbeugt sich, der Tänzer ebenfalls. Und dann entspinnt sich ein Spiel von Anziehung und Zurückweisung, wirft die Maschine ihren Menschen schon mal von der Baggerschaufel, legt sie in fast beschwörender Geste einen stählernen Arm um ihn. Trompetenklänge in Moll aus Bellinis "Norma". Er klammert sich an sie, will nicht loslassen, schwebt auf ihrer Schaufel durch die Lüfte. Alles hochdramatisch . und ziemlich gefährlich für den Artisten. Ehe ein Hupkonzert das Leben des Baggers quasi ausknipst. Doch der Pas de deux beginnt erneut, nun vom Menschen angeschoben. Bis zum bitteren Ende ... und die Callas singt dazu.

Mit bisweilen schrägem Humor und oft träumerischen Bildern entfaltet die spanische Gruppe Los Galindos ihre Show "Maiurt" im intimen Ambiente einer mongolischen Jurte auf dem Blumenhof. Zwischen Mehlwolken und Musik entspinnt sich die zauberhafte Geschichte um einen in die Jahre gekommenen Clown, Jongleur, Trapezkünstler und Exzentriker.

Rund 80 geladenen Gästen im Zeltrund und Hunderten von Menschen auf dem Turnplatz versüßten diese beiden Shows das Warten auf die offizielle Eröffnung der 19. Internationalen Theatertage. Zu der gab's dann Reden und Grußworte. Vom Penn-Club-Vorsitzenden Andreas Mürle: "In unserer Stadt gibt es bekanntlich ab und an Theater mit Straßen. Doch nun genießen wir in Pforzheim drei Tage lang die bei weitem unterhaltsamere Form des Straßentheaters." Von Kultur-Staatssekretär Jürgen Walter (Grüne): "Noch bis Samstag tauchen die Straßen und Plätze der Innenstadt ein in die Welt der Musik und des Straßentheaters. Sie werden zur Freilichtbühne für 43 zum Teil spektakuläre, in jedem Fall aber außergewöhnliche Aufführungen." Von der Geschäftsführerin der Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg Marion Caspers-Merk: "Mit unserer Förderung beim Pforzheimer Musik- und Theaterfestival fließen die Gelder der Lottospieler genau dorthin zurück, wo sie herkommen. Direkt zu den Menschen in der Stadt."

Und von Oberbürgermeister Gert Hager, der das Festival für eröffnet erklärte und den Startschuss gab für ein Freiluft-Theater der absolut spektakulären Art: "As The World Tipped" vom Wired Aerial Theater mit einer zehn mal zehn Meter hohen Projektionswand. "Die aufwendigste Show, die wir je hatten", sagt Organisator Gerhard Baral.