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Anlass der Demonstration war eine Anfrage der AfD nach der Staatsbürgerschaft von Tänzern und Sängern. 

Ballettdirektoren kritisieren AfD-Frage - Protest in Stuttgart

Stuttgart. Die Ballettdirektoren in Deutschland haben sich zu internationaler kultureller Vielfalt bekannt und der Frage der AfD im baden-württembergischen Landtag nach Nationalitäten von Künstlern eine Absage erteilt.

In einer Resolution wandten sie sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Machtmissbrauch. Zugleich demonstrierten am Samstag in Stuttgart nach Angaben der Organisatoren über 2000 Menschen gegen die besagte parlamentarische Anfrage. Nach Einschätzung der Polizei waren es weniger.

«So eine Frage sollte am besten nicht beantwortet werden», sagte Tarek Assam, Sprecher der Bundesdeutschen Ballett- und Tanztheaterdirektoren (BBTK). Wenn das Kunstministerium allerdings dazu verpflichtet sei, müsse dem Genüge getan werden. Das Ministerium hatte gesagt, es sei zur Beantwortung verpflichtet, es gebe aber keine Listen von Nationalitäten. Eine für die Anfrage eigens aufgesetzte, detaillierte Erhebung der Staatsangehörigkeit sei nicht vorgesehen.

Im Stuttgarter Schlossgarten unweit des Dreispartenhauses hatten sich viele Menschen eingefunden, um den Kunstschaffenden aus aller Welt ihre Solidarität zu bekunden. Von der in Stuttgart tagenden BBTK kamen 40 Ballettdirektoren von Stadt-, Landes- und Staats-Compagnien spontan zu der Protestveranstaltung. Sie betonten die Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter und Tänzer.

Die baden-württembergische Oppositionspartei will in einer Landtagsanfrage wissen, welchen Pass die Balletttänzer und Orchestermusiker an staatlichen Theatern und die Sänger in Opernstudios haben. Sie wünscht eine «realistische Bestandsaufnahme» und eine Einschätzung der Qualität der eigenen Nachwuchskünstler und Ausbildungsstätten im internationalen Vergleich. In Deutschland aufwachsende Künstler könnten es aufgrund der Ganztagsschule unter Umständen schwer haben, ausreichend Zeit zur künstlerischen Betätigung zu finden.

Einer der Redner auf der Kundgebung beschwor das Zusammenstehen der Demokraten gegen Versuche, die einzigartige, vielfältige Kulturlandschaft Deutschlands zu zerstören. Die BBTK befürchtet, dass die AfD die Daten politisch missbrauchen und gegen die Künstler instrumentalisieren könnte.

Laut Assam, Ballettdirektor aus Gießen, haben zwei Drittel aller Mitglieder der deutschen Tanz- und Ballettensembles keinen deutschen Pass. «Diese Internationalität ist eine Garantie für Qualität und für neue Impulse.» Er sehe auch keine schlechteren Voraussetzungen von Menschen mit deutschem Pass, in eine Compagnie aufgenommen zu werden. Eric Gauthier, Leiter der Gauthier Dance-Compagnie im Stuttgarter Theaterhaus, sagte nur: «Was für ein Scheiß.»

Die Stuttgarter SPD unterstützt den Protest. Ihr Vorsitzender Dejan Perc sagte: «Dass die AfD ausländerfeindlich ist und die Freiheit der Kunst nicht schätzt, ist ja nichts Neues. Mit ihrer Anfrage zeigt sie erneut, welch Geistes Kind sie ist.» Die Kunst lebe von der Vielfalt: «Das wollen wir fördern, nicht einschränken.»