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Das von dem Architekten Arthur Schrade entworfene Aichele-Haus in der Künstlerkolonie 14. Foto: Timm
Das von dem Architekten Arthur Schrade entworfene Aichele-Haus in der Künstlerkolonie 14. Foto: Timm
Im Oktober 1916 zeichnete Erwin Aichele den Park des Château de Pinon in der Picardie. Foto: Privat
Im Oktober 1916 zeichnete Erwin Aichele den Park des Château de Pinon in der Picardie. Foto: Privat
Ein typisches Aichele-Aquarell mit Vögeln. Foto: Privat
Ein typisches Aichele-Aquarell mit Vögeln. Foto: Privat
Auf Heimatbesuch: Barbara Aichele-Rodi. Foto: Ketterl
Auf Heimatbesuch: Barbara Aichele-Rodi. Foto: Ketterl
13.10.2017

Barbara Aichele-Rodi erinnert sich an Zeit in Künstlerkolonie

Pforzheim. Sie kann sich noch gut erinnern an die stattliche Villa mit Ateliergebäude in der Eutinger Künstlerkolonie. „Das Haus brummte nur so vor Leben“, erzählt Barbara Aichele-Rodi. Und mittendrin: Erwin Aichele. Ein spannender Erzähler, der eines Tages schildert, wie ihm der Vater die rechte Hand verbog, um ihn vom Malen abzuhalten. Doch der Junge war nicht zu bremsen: Dann zeichnete er eben mit der linken Hand.

Erwin Aichele, selbst auch ein eher strenger Vater, ist jedoch ein höchst liebevoller Großvater. Und ein Tierfreund, der sich rührend um seine Rehe und Füchse und vor allem um seine Vögel kümmert. „Selbst nach deren Tod hat er immer noch ein Andenken aufbewahrt, eine kleine Feder.“ Bis ins hohe Alter hat Erwin Aichele seine Tiere gemalt – und sich internationales Renommee erworben. Barbara Aichele-Rodi hat den Künstler noch gut vor Augen: mit immer recht willkürlich zusammengestellter Kleidung – und manchmal etwas angespanntem Nervenkostüm. „Das mag auch an seiner Verletzung im Ersten Weltkrieg gelegen haben“, sagt die heute 81-Jährige. Bei der Somme-Schlacht wird Erwin Aichele schwer verletzt, fällt ins Koma. Doch zuvor hat er gezeichnet: Über 200 Arbeiten sind erhalten. Darunter auch die Bilder von Schloss Pinon, das Ende des Ersten Weltkriegs zerstört wurde. Heute erinnern im Rathaus der kleinen Gemeinde in der Picardie noch acht Zeichnungen Aicheles an dieses um 1700 erbaute Gebäude – auf Vermittlung von Barbara Aichele-Rodi.

Die lernt den Pforzheimer Künstler bereits in den 1950er-Jahren kennen, ist mit der Tochter des Malers befreundet. Im Haus in der Künstlerkolonie 14 begegnet die junge Pforzheimerin auch dem Sohn des Malers. Wolfram Aichele lebt damals bereits in Paris. Und die junge Lehrerin und Bildhauerin folgt ihm nach der Eheschließung im Jahr 1964 an die Seine. Sie arbeitet als Deutschlehrerin in der Erwachsenenbildung, ist aber auch künstlerisch tätig. Unter anderem entwirft sie die Heinrich-Böll-Medaille für die berühmte „Monnaie de Paris“ (staatliche Münze von Frankreich).

Gelegentlich ist sie zu Gast in der Heimatstadt. Besucht Familie und Freunde. Und natürlich das alte Haus in der Künstlerkolonie.