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Polizei patrouilliert am Grünen Hügel: Sicherheitsbedenken begleiten den Beginn der Bayreuther Festspiele. Foto: Schamberger
Polizei patrouilliert am Grünen Hügel: Sicherheitsbedenken begleiten den Beginn der Bayreuther Festspiele. Foto: Schamberger
26.07.2016

Bayreuther Festspiele: Der Grüne Hügel in Angst

Bayreuth. Am Montag haben die Bayreuther Festspiele begonnen. Die Furcht vor einem Anschlag beeinflusst auch das weltbekannte Festival.

So viele Polizisten!“, ruft ein Kind. Dann fliegt ein Hubschrauber über das Festspielhaus. Zahlreiche Polizei-Einsatzwagen flankieren das Gebäude. Beamte bringen Spürhunde ins Haus, kontrollieren Handtaschen. Es herrscht Ausnahmezustand bei den Bayreuther Festspielen – bei der gestrigen Eröffnung mit Wagners „Parsifal“ ist vieles anders als sonst.

Nach den jüngsten Bluttaten hat es die Pietät geboten, den roten Teppich abzusagen. Alljährlich schreiten normalerweise Politiker, Prominente und Show-Größen zum Festspielhaus – doch nicht diesmal, nach dem Axt-Angriff von Würzburg, dem Amoklauf in München und dem Anschlag in Ansbach.

Verständnis für die Polizei

Nur wenige reagieren genervt darauf, dass Polizisten ihnen sagen, wo sie entlanglaufen müssen – und wohin sie nicht dürfen. „Wir sind überrascht, dass wir nur einmal durch Polizeikontrollen mussten“, sagt eine ältere Dame – und lacht. Auch zwei andere Festspiel-Besucherinnen wollen sich die Freude nicht nehmen lassen. Die Ereignisse der Woche hätten sie nicht davon abgehalten, zu kommen, sagt die eine. „Niemals!“, ruft die andere. Dennoch, es ist still vor dem Festspielhaus. Der Medienrummel ist gering. Nur eine Handvoll Zaungäste ist zum Schauen gekommen.

Lothar Würl steht hinter den Metallgittern, er ist einer der wenigen Schaulustigen. „Ein mulmiges Gefühl habe ich nicht“, sagt er über die Attacken der vergangenen Tage. „Passieren kann das immer und überall. Sich vergraben bringt nichts.“

Das sagt auch Schauspielerin Michaela May. „Man muss ein Zeichen setzen“. Dass man trotz der Angst komme. Sie ist fast die einzige, die in diesem Jahr nah ans Festspielhaus heranfahren darf – sonst gehörte es zum Auftritt, mit dem Auto vorzufahren. May aber kann wegen eines Unfalls noch nicht so gut laufen. Herzlich begrüßt sie Gloria Fürstin von Thurn und Taxis. Beide dürfen – wie alle Besucher – keine Flaschen und Sitzkissen mitnehmen, auch das aus Sicherheitsgründen. Das macht May aber nichts aus. „Ich fühle mich noch fit, ohne Sitzkissen zu sitzen.“

Merkel ist nicht da

Die Schauspieler Udo Wachtveitl und Edgar Selge sind zu sehen. Die Politprominenz fehlt aber. Das gesamte bayerische Kabinett sagte nach den Attacken ab. Kanzlerin Angela Merkel, eigentlich Stammgast bei der Bayreuther Festspieleröffnung, hatte schon vor längerer Zeit mitgeteilt, dass sie aus terminlichen Gründen nicht kommen könne.

Manchen Gästen ist nicht so ganz wohl. „Ich fühle mich bedrückt“, sagt eine Besucherin. Sie denke an die Opfer der Attacken. Die Kontrollen am Festspielhaus aber findet auch sie nicht unangenehm. „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Sie haben ja den luftigen Charakter des Grünen Hügels erhalten.“ Luftig zwar – aber auch ein bisschen geängstigt.