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Spielfreudig: Aaron Pagani, Claudius Hille und Huimin Gim (von links).
Spielfreudig: Aaron Pagani, Claudius Hille und Huimin Gim (von links).
10.10.2017

Beeindruckende Klangwucht - „Bass Pur“ mit acht Kontrabässen in der Altstadtkirche

Pforzheim. Acht Kontrabässe auf einmal kann man allenfalls in Konzerten der Wiener oder Berliner Philharmoniker erleben – oder in der Pforzheimer Altstadtkirche bei „Bass Pur“. Denn am Sonntag musizierten hier Studenten der Musikhochschule Stuttgart aus der Kontrabass-Klasse von Professor Matthias Weber.

Es war eindrucksvoll, als die acht „Elefanten“, wie Musikfreunde die behäbige Bassgeige verspotten, aufmarschierten und im Chorraum der Kirche Stellung bezogen, teilweise von sehr zarten jungen Kontrabassistinnen betreut, wo man doch eher handfeste Männer vermutet. Noch eindrucksvoller war der satte, zuweilen auch samtweich näselnde, tiefschwarze Klang der Instrumente, als sie – freilich erst zum krönenden Konzertabschluss – zusammen die „Sinfonia piccola“ für acht Kontrabässe von Bertold Hummel (1946–2002) interpretierten. Der ganze Raum war erfüllt von ihrer hallenden Klangwucht, auch von einigen schrill-dissonanten, sehr modernen Tonfolgen.

Einleitend waren in Quartett-Formation 6 „Chansons“ von dem Renaissance-Komponisten Orlando di Lasso zu hören, instrumental ausgeformte, von einer hohen Melodiestimme dominierte Lieder über die Liebe und das Leben. So war das fünfte Chanson („La nuit froide et sombre“) klangmalerisch einer dunklen, kalten Nacht gewidmet, das sechste („Sie vous n’estes en bon point“) sehr lustig und flott.

Klangschön präsentierte sich ein für Kontrabässe bearbeitetes Trio von Jean Baptiste Vanhal (1739–1813), der seinerzeit in Wien berühmter als Mozart war – graziös im „Andante“, sanglich im „Minuet“ und jagdlich temperamentvoll im „Allegro“ von Aaron Pagani, Huimin Gim und Claudius Hille ausgeführt.

An Virtuosität unübertroffen musizierte Frithjof Vollmer den facettenreichen und in einigen Passagen unerhört rasanten „Bass Trip“ von Peteris Vasks (geboren 1946), wobei der Solist nach Springbogen-Skalen, abenteuerlichen Flageoletts, Pizzikati und Corpus-Schlägen im letzten Abschnitt auch noch seine vokale Stimme einsetzen musste. Auch Shoko Tanaka (mit der Wiedergabe von Hans Werner Henzes „Kontrabass-Serenade“), Hille (mit „Motivy“ von dem zeitgenössischen bulgarischen Komponisten Emil Tabakov) und Xenia Bömcke (mit der „Sonate in C“ des Bach-Zeitgenossen Karl Friedrich Abel) absolvierten herausragende Auftritte.

Matthias Weber moderierte mit anekdotischen Bemerkungen zu den einzelnen Komponisten und Werken das Konzert, das den Kontrabass in seinem Klangfarbenreichtum und seinen vielseitigen Einsatzmöglichkeiten zeigte.