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Chor, Orchester sowie die Solisten Raimund Nolte, Andreas Weller, Marion Eckstein und Antonia Bourvé eröffnen das Schwarzwald Musikfestival. Die Leitung hat Festivalintendant Mark Mast. Foto: Molnar
Chor, Orchester sowie die Solisten Raimund Nolte, Andreas Weller, Marion Eckstein und Antonia Bourvé eröffnen das Schwarzwald Musikfestival. Die Leitung hat Festivalintendant Mark Mast. Foto: Molnar
08.05.2018

Beethovens Neunte eröffnet Schwarzwald Musikfestival in Bad Wildbad

Ob Beethovens neunte Sinfonie mit der „Ode an die Freude!“ so viele Gäste in die Trinkhalle gelockt hat? Vielleicht hat aber auch der besondere Anlass zum erfreulichen Besuch geführt. Gleich vier hochkarätig besetzte Eröffnungskonzerte fanden zum 20-jährigen Bestehen des Schwarzwald Musikfestivals statt, das vierte am Sonntagabend in Bad Wildbad.

Laut Bürgermeister Klaus Mack ist die Kurstadt seit zwölf Jahren mit ihren Partnern dabei.130 Musiker füllen dieses Jahr die Bühne – der Chor der Bayrischen Philharmonie, die eh und je gastierende Philharmonie Baden-Baden, das Solistenquartett und am Pult der Intendant des Festivals, Mark Mast. Aufgrund der überragenden Aufführungsdauer von 70 Minuten bei Beethoven ist der erste Teil recht kurz gefasst, ergibt auch klanglich ein differenzierteres Stimmungsbild. Zum Auftakt erklingt das dreiteilige Magnificat in C-Dur von Schubert, das mit einem enthusiastisch-feierlichen Jubelchor beginnt. Im lyrischen Mittelteil harmonieren die Solisten Antonia Bourvé (Sopran), Marion Eckstein (Alt), Andreas Weller (Tenor) und Raimund Nolte (Bass) mit großer Klangschönheit, auch der teils sehr hohe Part der Sopranistin gelingt hervorragend.

Umgarnt wird das Quartett von der Oboe und einigen Streichern. Das abschließende „Gloria Patri“ mit Wechseln zwischen Chor und Solisten zeichnet sich durch Kraft und Klangfülle aus. Gänsehaut erzeugen Chor und Orchester mit Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“. Erhabenheit und tänzerische Leichtigkeit kommen mit guter Artikulation, Präzision und Melodienführung zum Ausdruck.

Auch der rein instrumentale Beitrag „Ein feste Burg“, ein weiterer, auf Luther basierender Choral von Bach, gefällt durch seinen bedachtsamen und langsam gesteigerten Aufbau. Zunächst sind nur die tiefen Streicher zu hören, dann treten die Holzbläser dazu, am Schluss die Violinen. Mit dem Paukenwirbel setzt das Blech festlich ein. Allmählich geht es ins Tutti über, das langsame Tempo bleibt jedoch konstant. Nach der Pause tastet sich das Orchester geheimnisvoll an Beethovens berühmte Sinfoniekantate heran. Eine hohe Konzentration und Spannkraft verlangt dieses hymnische Werk von den Ausführenden.

Dies gelingt der Badischen Philharmonie unter Masts etwas diffus wirkendem Dirigat nicht immer. Schon im ersten, aufwühlenden Satz liegen Streicher und Bläser teilweise nicht zusammen. Im zackig-derben Scherzo setzen die Holzbläser, besonders das Fagott, schöne Akzente. Im langsamen Satz tritt das Klarinettenpaar hervor, wird dem friedvoll-feinfühligem Thema gerecht, wirkt aber stellenweise schleppend. Das Finale mit gigantischem Chor- und Solistensatz ist in seiner Lautstärke kaum zu überbieten. Der Chor gibt der „Freude, schöner Götterfunken“ ausladend Ausdruck. Selbst die Solisten, bei denen nun die Altistin und der durch Blütenstaub angeschlagene Tenor untergehen, scheinen sich gegenseitig übertrumpfen zu wollen. Schön aber die von den Celli leise angestimmte Schiller-Ode und das kraftvolle Bass-Solo. Mit stehendem Applaus endet das Konzert.