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Die Zuhörer, zu kleinen Grüppchen geordnet, lauschen in der Frauenkirche den im Halbkreis aufgereihten Bläsern des Mannheim Brass Quintetts.  Foto: Meyer 

Beflügelnd vielgestaltige Blechbläser-Musik: Mannheim Brass Quintett gastiert beim „Musikalischen Sommer“

Mühlacker. Beim Schlussakkord zu Astor Piazzollas „Milonga del Angel“ fallen Sonnenstrahlen in den Chorraum der Lienzinger Frauenkirche und bringen die polierten Messing-Instrumente zum Gleißen. So kommt dem Instrumentalstück mit seinem ungewohnt zarten, engelsgleichen Gesang der Solotuba symbolische Bedeutung zu. Alle freuen sich in den verrückten Corona-Zeiten beim Matinee-Konzert des „Musikalischen Sommers“: die zu kleinen Grüppchen geordneten Zuhörer in der Kirche und die Abstand wahrenden Bläser des Mannheim Brass Quintett, die endlich wieder live musizieren dürfen.

Matthias Gromer mit der Posaune, der das Konzert anekdotenreich moderiert, Klaus Bräker und Wolfram Lauel (Trompeten), Reimer Kühn (Horn) und Stefan Heimann (Tuba) haben ein beflügelnd vielgestaltiges Programm mitgebracht, das in Crossover-Manier von Antonio Vivaldi über Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart bis zum Jazz-Komponisten Sammy Nestico, Piazzolla, Harry James und Leonard Bernsteins „West Side Story“ reicht. Die meisten Nummern sind Arrangements für Blechbläser-Quintett. Vivaldis populäres Konzert für zwei hohe Trompeten in C-Dur eröffnet den musikalischen Reigen mit einer Fanfare: Der leuchtende „Allegro“-Auftakt, eine fulminante Zwiesprache zweier Meistertrompeter, ist freilich ein Herzstück der Bläser-Literatur und nur der begleitende Orchesterpart eine Bearbeitung.

Ganz anders das nach g-Moll transkribierte „Allegro“ aus Bachs a-Moll-Violinkonzert (BWV 1041): Hier ist die von den Trompeten übernommene Violinstimme viel stärker in den Gesamtklang der Brass-Formation eingebunden. Und Mozarts „Rondo Allegro“ aus seinem Horn-Quintett (KV 407), das in der Lienzinger Wiedergabe natürlich mit Solohorn, aber zudem statt von Streichern als reine Bläsermusik interpretiert wird, entfaltet einen ganz eigenen Sound.

Für freundlich-nachdenkliche Stimmungslagen sorgen die Mannheimer Künstler mit Blue-Notes und dissonant schrägen Schleifern in Nesticos „Reflective Mood“, mit Piazzolla und vor allem mit James’ kurzem „Concerto for Trumpet“, das erregend virtuose, unglaublich rasante Bläser-Skalen serviert. Nach der Pause, in der gelüftet und das Aerosol vertrieben wurde, erfreuten die Bernstein-Ohrwürmer „Maria“, „Tonight“, „America“ oder „I Feel Pretty“. Großer Dank gilt den Organisatoren für die arbeitsaufwendige Platzierung des Publikums.