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Thomas Münstermann erläutert im Podium des Theaters Pforzheim den rund 70 Anwesenden, was es mit den „Kulturschaffern“ auf sich hat. Foto: Ketterl
Thomas Münstermann erläutert im Podium des Theaters Pforzheim den rund 70 Anwesenden, was es mit den „Kulturschaffern“ auf sich hat. Foto: Ketterl
07.02.2018

Bei „Faust“ und „Rheingold“ mitwirken - Theater will mit Bürgern Aktionen anstoßen

Pforzheim. Manchmal reicht schon ein Lied, um Gemeinschaft zu stiften: Aus fast 70 Kehlen erklingt der dreistimmige Kanon „Abendstille überall“ – ganz spontan gesungen von all denen, die sich als „Kulturschaffer“ künftig ganz persönlich für die Stadt einsetzen wollen.

Denn: Auf Initiative des Theaters soll ein Verein entstehen, der die Kultur in Bewegung setzt – „mit Aktionen, Prozessionen, Installationen“, sagt Intendant Thomas Münstermann beim Treffen am Montagabend im Podium.

Und es gibt schon sehr konkrete Pläne: Die Proben zur Weill-Oper „Der Silbersee“ starten am 26. März mit der Beteiligung möglichst vieler Menschen – ob im Chor oder als Teil des lebendigen Bühnenbilds, das ist jedem selbst überlassen. „Man kann bei uns keine Fehler machen, der einzige Fehler ist, nicht dabei zu sein“, wirbt der Intendant für das Stück, das am 5. Mai Premiere hat und bis 5. Juli sieben weitere Aufführungen erlebt.

Auch in der kommenden Spielzeit sollen die Bürger aus Pforzheim und der Region aktiv das Theatergeschehen mitgestalten: Bei der Aufführung von Goethes „Faust I“, die für Anfang 2019 terminiert ist, ebenso bei der Dramatisierung von Ray Bradburys berühmten Roman „Fahrenheit 451“ und beim Saisonauftakt mit Richard Wagners Oper „Das Rheingold“, bei der Regisseur Münstermann ein großes Bild vorschwebt, „wie Menschen geknechtet werden, um noch mehr Gold zu beschaffen.“ Wobei es Münstermann keinesfalls darum geht, „kostenlose Statisten“ zu beschaffen, dem Amateurtheaterverein oder Kulturrat Konkurrenz zu machen. Es soll vielmehr eine Bürgerbewegung angestoßen werden, die „über das Kulturelle auch den sozialen Zusammenhang in der Stadt stärken kann“, sagt Schauspieler Markus Löchner, der für die mobilen Produktionen der Bühne zuständig ist.

Die Liste der Ideen ist lang, vom gigantischen Gemeinschaftspuzzle auf dem Rathausplatz bis zu Prozessionen durch die Fußgängerzone. In einem nahegelegenen ehemaligen Kaufhaus soll es eine Art Hauptquartier geben, wo geprobt, aber auch gemeinsam gefeiert werden dann. Denn: „Wir wollen uns nicht mehr von Bruddlern regieren lassen, sondern vielmehr mit schönen Dingen nach vorne denken“, sagt Münstermann. Und hofft, dass sich möglichst viele Menschen an dieser Bewegung beteiligen – auch aus ganz unterschiedlichen Nationalitäten. Dass hier noch einiges an persönlicher Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, ist dem Intendanten klar. Die rund 70 Anwesenden an diesem Abend hat er jedenfalls überzeugt: „Und vielleicht ziehen wir für das nächste Treffen am 5. März dann ins Große Haus.“