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Niki (Stefan Reichmann) hat etwas übrig für Franzi (Elisabeth Hillinger). Roller
Niki (Stefan Reichmann) hat etwas übrig für Franzi (Elisabeth Hillinger). Roller
17.01.2019

Bei der Operette „Ein Walzertraum“ wird in der Kulturhalle Remchingen die vergangene Zeit lebendig

Remchingen. Niki ist stinksauer. Das hatte er sich ganz anders vorgestellt: Immer genau fünf Schritte hinter der Prinzessin gehen, immer eine Reihe hinter ihr sitzen und nur so lange essen, wie sie isst. Immer soll er die zweite Geige spielen. Obwohl er die Prinzessin geheiratet hat. Mit Händen und Füßen wehrt er sich gegen das enge Korsett gesellschaftlicher Konventionen, in das man ihn am Hof pressen will. Der Leutnant sehnt sich nach Wien, der Metropole an der Donau, seiner Heimatstadt.

Kein Wunder, dass es nicht lange dauert, bis in Heinz Hellbergs Inszenierung des bereits 1907 uraufgeführten „Walzertraums“ von Oscar Straus in der Remchinger Kulturhalle die Konflikte offen zu Tage treten. Fürst Joachim von Flausenthurn (gespielt von Viktor Schilowsky) hat klare Vorstellungen von Nikis Aufgaben am Hof: Für einen Thronfolger soll er sorgen, um die Zukunft der Dynastie zu sichern. Der Leutnant aus Wien (Stefan Reichmann) hat aber keine Lust auf das „Kasperltheater“. Niki verlangt getrennte Schlafzimmer, denn für seine Angetraute, Prinzessin Helene (Ella Tyran), interessiert er sich nicht im Geringsten. In der Hochzeitsnacht büxt er aus, besucht eine Damenkapelle im Garten und tanzt einen flotten Walzer mit der feschen Franzi (Elisabeth Hillinger). Sie ist ganz anders als seine Frau: vorlaut, selbstbewusst und Wienerin. Der Hof sucht nach ihm – und wird fündig.

Was bisher im Geheimen vor sich hin gebrodelt hat, tritt nun offen zutage: Ein verbaler Schlagabtausch jagt den nächsten. Auf der nur spärlich ausgestatteten Bühne lassen die Schauspieler ihre Charaktere lebendig werden. Jeder hat sein Markenzeichen, seine Marotte. Etwa Graf Lothar (Jan Reimitz), ein Haudegen, bei dem immer alles „presto, presto“ gehen muss. Oder die Oberhofmeisterin (Elfie Gubitzer), die dem Alkohol nicht abgeneigt zu sein scheint.

Stellenweise zwar etwas überzeichnet, gehen die Schauspieler in ihren Rollen voll auf: Kokett tanzen sie über die Bühne, lautstark diskutieren sie, mit Pathos gestehen sie sich ihre Liebe. Und dynamisch, temperamentvoll singen sie: über das Leben eines Fiakers und über die Schönheit des Walzers – die Männer mit ordentlich Schmalz in der Stimme, die Damen mit klarer Intonation in den Höhen. Das Orchester unter Laszlo Gyükers Leitung begleitet sie mit zart gewobenen Melodien.

Mit den Schauspielern und den wild über die Bühne wirbelnden Tänzern lassen sie zwei Stunden lang eine längst vergangene Zeit wieder lebendig werden. Was freilich nicht bedeuten soll, dass die Inszenierung der Wiener Operettenbühne altbacken wäre. Im Gegenteil: Ihre charmante Komik in Kombination mit einer an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts angepassten Sprache bringt das Publikum heute noch zum Lachen. Tosender Beifall.