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Inniges Zusammenspiel: Die Cellistin Barbara Noeldeke und die Pianistin Evelin Grizfeld spielen Cellosonaten von Beethoven und Mendelssohn.  Molnar
Inniges Zusammenspiel: Die Cellistin Barbara Noeldeke und die Pianistin Evelin Grizfeld spielen Cellosonaten von Beethoven und Mendelssohn. Molnar
16.06.2017

Bei sechster Bachstunde erklingen Sonaten für Cello und Klavier

Die Cellosonate B-Dur op. 45 von Felix Mendelssohn Bartholdy ist „eine Sonate für feinste Familienzirkel, am besten etwa nach einigen Goethe’schen oder Lord Byron’schen Gedichten zu genießen“.

Der Rat von Robert Schumann verlangt geradezu, dass man ihn befolgt. So hat der Organist Sebastian Weiss einige Zitate und Gedichte von Goethe ausgewählt, um das erfreulich große Publikum in der Stadtkirche auf die zwei Werke der sechsten Bachstunde einzustimmen: „Künstlers Abendlied“ und „Gefunden“. Poetischer kann man ein Konzert kaum einleiten, zumal der Abend mit „Musik als Poesie“ überschrieben ist. Kammermusik im besten Sinne ist zu erleben – mit der Cellistin Barbara Noeldeke und der Pianistin Evelin Grizfeld. Beide sind den Pforzheimern bekannt, Noeldeke spielt seit 2004 im Bachorchester, Grizfeld wirkte bei Konzerten und Opernproduktionen des Theaters mit.

Ludwig van Beethovens Cellosonate D-Dur op. 102, Nr. 2 und Mendelssohns erwähnte Cellosonate B-Dur stehen auf dem Programm – zwei Werke, die die Poesie der Romantik atmen, wenn auch teils in ersten Zügen. Beethoven war mit seinem etwas spröden Spätwerk von 1815 seiner Zeit voraus, hatte damit keinen Erfolg. Besonders das Polyfone in den Außensätzen wurde nicht verstanden. Die scharfen Gegensätze des Kopfsatzes hebt das Duo gut hervor. Der Zugriff der Cellistin, die erhöht auf einem Podest musiziert, ist energisch, dann wieder sehr vorsichtig. Gleichsam schnell und zart ist der Anschlag der Pianistin, die auch beim fugierten Finale mit springend schnellen Läufen beeindruckt. Noeldeke hält sich hier teils stark zurück, hakt sich aber ins rhythmische Gefüge mit Leichtigkeit wieder ein. Bemerkenswert ist vor allem der langsame Mittelsatz mit der wohlüberlegten Bezeichnung „Adagio con molto sentimento d’affetto“. Das Duo präsentiert ihn mit hoher Ausdruckskraft, beginnt eingängig schlicht und traurig. Allmählich verdichtet sich der Satz, hellt sich etwas auf und fließt in einem weichen, innigen Dialog fort. Hier zeigt sich Beethoven schon als wahrer Romantiker, der mit dem jungen Mendelssohn in dessen 1838 komponierten Cellosonate freilich noch mehr durchkommt. Seinem Stück haftet nichts Melancholisches an, es zeichnet sich vielmehr durch drängende und kantable Melodien aus.

Mit Hingabe spielen die zwei Musikerinnen die Ecksätze, rauschen über Tasten und Saiten – die Pianistin mit perlend-leichter Hand, die Cellistin mit druckvoll-akzentuierendem Strich. Besonders im Finale lässt Grizfeld eine Menge an Tönen hinter sich, während Noeldeke die An- und Abschwellungen besonders schön gelingen. Wunderbare Kantilenen auch im Mittelsatz, der ein wenig nachdenklich, aber nicht trübsinnig macht, das Scherzo mit dem langsamen Satz quasi verbindet. Lockere Staccati stehen neben warmen Legati und dunklen Pizzikati, das frische Verliebt-Sein mischt sich mit großem Sehnsuchtsgefühl. Für die bezaubernde Darbietung erhält das Duo langen Applaus – und setzt den Melodienzauber mit Mendelssohns lyrischem „Lied ohne Worte“ op. 109 als Zugabe fort.