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Ausdrucksstark und flexibel: Solist Paul Jadach mit der Badischen Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Generalmusikdirektor Markus Huber. Keller
Ausdrucksstark und flexibel: Solist Paul Jadach mit der Badischen Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Generalmusikdirektor Markus Huber. Keller
27.02.2018

Beim Sinfoniekonzert spielt die Badische zu arktischen Vogelgesängen

Das hat es damals noch nicht gegeben – eine Sinfonie in dieser Dimension. Mit diesem Farbenreichtum, Strukturgefüge und Trauermarsch im zweiten Satz. 50 Minuten dauert die „Eroica“, Ludwig van Beethovens dritte Sinfonie. Bei den Zeitgenossen traf das 1805 uraufgeführte Werk auf völliges Unverständnis, heute gehört es zu den Klassikern schlechthin.

Beim dritten Sinfoniekonzert des Theaters im CongressCentrum gelingt der Badischen Philharmonie Pforzheim unter Generalmusikdirektor Markus Huber eine plastische Darbietung der heldischen Sinfonie, die „an einen großen Menschen“ erinnern soll. Ob Napoleon oder Prometheus gemeint ist, ist unklar. Im Finalsatz verarbeitet Beethoven das Thema aus seinem Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ – in origineller Verknüpfung von Variation, Rondo und Fuge. Nach stürmischer Einleitung bringt das Orchester diese Fülle an Elementen in geradezu beschwingt-leichter Musizierweise zum Ausdruck.

Klangschöner Bläsersatz

Besonders der Bläsersatz sticht klangschön heraus. Detailverliebt auch der erste Satz, in dem der Held sowohl kämpferisch als auch tänzerisch gefeiert wird. Gar nicht so monströs-heldenhaft klingt es hier unter Hubers Dirigat, vielmehr leuchten neben dynamischen Kontrasten und Steigerungen oft feine Melodien hervor. Etwas zäh dagegen der ausgedehnte „Marcia funebre“ mit seinem tristen Thema, bei dem die Oboe tröstlich wirkt. Beim pfiffigen Scherzo mit markantem Hörner-Einsatz gibt Huber nur minimale Zeichen, die Musiker folgen äußerst präzise. Der „Bravo“-Ruf ist ihnen sicher.

Das hat es in Pforzheim noch nicht gegeben: Zur Musik des Orchesters sind Vögel der Arktis zu hören, Gänse, Schwäne und Kraniche. Der finnische Nationalkomponist Einojuhani Rautavaara (1928–2016) hat die Vogelstimmen aufgenommen und in Kombination dazu das dreisätzige Stück „Cantus arcticus – Konzert für Orchester und Vögel“ verfasst, 1972 wurde es uraufgeführt.

Die Zwitscher-Laute werden zugespielt, in der Lautstärke der Live-Musik angepasst. So ergibt sich eine eindrucksvolle Stimmung, bei der sich Natur- und Orchesterstimmen harmonisch vermischen, etwa im dritten Satz „Joutsenet muuttavat“ (Ziehende Schwäne). Wie aus der Ferne scheint sich der Vogelschwarm zu nähern, immer mehr Bläser gesellen sich dazu, beginnen schwirrend den Gesang nachzuahmen.

Solist des Abends ist der große, schlanke Bariton Paul Jadach, der in stoisch wirkender Körperruhe den neunteiligen Liedzyklus „Songs of Travel“ von Ralph Vaughan Williams (1872–1958) präsentiert – mit viel Ausdruckskraft und Flexibilität. Dem englischen Komponisten diente die gleichnamige Gedichtsammlung von Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“) als Vorlage, die das Leben eines Vagabunden schildert. Die folkloristisch-nationalen Reiselieder erzählen von der Liebe, Erinnerung und Schönheit der Natur, aber auch von Hunger, Kälte und Abschied.

Viele Facetten in der Stimme

Der 30-jährige Sänger mit deutsch-polnischen Wurzeln zeigt viele Facetten seiner Stimme, bewegt mit Festigkeit und Nachdruck (etwa beim ersten Lied „The Vagabond“), aber auch mit zarten Tönen (beim achten „Bright Is the Ring of Words“). Der Sprung in die Höhe und Tiefe gelingt Paul Jadach sicher (etwa beim vierten „Youth and Love“). Das Orchester begleitet mal mit militärischer Schlagzeug-Note, mal mit duftig-volksliedhaftem Charme.