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Mit Knüpfel und Eisen arbeitet Andreas Reißer (links) noch an den Feinheiten seines Sandsteinkopfes, Bildhauer Eckhard Bausch gibt Tipps zu Techniken und dem richtigen Umgang mit dem Werkzeug. Foto: Molnar
Mit Knüpfel und Eisen arbeitet Andreas Reißer (links) noch an den Feinheiten seines Sandsteinkopfes, Bildhauer Eckhard Bausch gibt Tipps zu Techniken und dem richtigen Umgang mit dem Werkzeug. Foto: Molnar
12.07.2017

Beliebter Bildhauer-Kurs im Schloss Neuenbürg

Neuenbürg. Schmuckdesigner und Studenten lernen Bildhauertechniken beim Kurs von Künstler Eckhard Bausch im Schloss Neuenbürg. Beim plastischen Arbeiten ist der Umgang mit dem Werkzeug und die richtige Technik sehr wichtig.

Andreas Reißer wischt mit der Hand über den von ihm geschaffenen Kopf. Es staubt. Noch eine halbe Stunde, dann soll die Plastik aus Sandstein fertig sein. „Man muss den Punkt finden, aufzuhören“, sagt er, „sonst arbeitet man das Objekt tot.“ Zum zweiten Mal nimmt der Schmuckdesigner aus Pforzheim am Bildhauerkurs von Eckhard Bausch im Schlossgarten Neuenbürg teil, den der Förderkreis Kultur im Schloss veranstaltet. Aus einem harten, viereckigen Gesteinsblock hat der 47-Jährige einen männlichen Kopf gehauen – mit markanten Gesichtszügen.

Vom Schmuckdesign unterscheide sich dieses Handwerk besonders durch die Größe: „Man arbeitet wesentlich plastischer“, so Reißer, der sonst Ringe und Anhänger aus Gold und Silber fertigt. Im Gestalterischen bringt er viele Kenntnisse mit, im Technischen kann er bei dem zweitägigen Kurs dazulernen – zum Beispiel, wie und wann man das Spitz-, Zahn- und Flacheisen richtig einsetzt, dass man den schweren Fäustel eher am Anfang nimmt, um grobes Material wegzuschlagen, und den leichten Knüpfel bei den Feinarbeiten.

Dabei steht der Pforzheimer Bildhauer Eckhard Bausch, der Werkzeuge und Sandsteine aus verschiedenen Gegenden mitgebracht hat, mit Tipps zur Seite. Doch auch untereinander tauschen sich die fünf Teilnehmer rege aus. „Das ist das Schöne an dem Kurs, dass man sich gegenseitig befruchtet“, sagt Reißer. So genießt auch Duncan Drollinger, zum vierten Mal dabei, die nette Gesellschaft und Atmosphäre im Schatten der Bäume.

Mit seinem reliefartigen Porträt ist der 20-Jährige aus Ellmendingen allerdings noch nicht zufrieden, feilt noch an den Mundwinkeln und Augen. „Man kann immer etwas weg-, aber nicht mehr dranmachen“, beschreibt der Japanologie-Student die Schwierigkeit. Mut, auch mal Fehler zu machen, gehöre dazu.

Freddi Brenk findet die erste Phase am schwierigsten – dann, wenn viel Material abgetragen wird. „Da kann man die meisten Fehler machen“, so der 21-Jährige aus Bilfingen, der an einer Eule arbeitet. Zuerst habe er aus dem länglichen Stein die Kopfform herausgelöst, dann die grobe Form des Körpers, die Ohren und das Gesicht. Jetzt versucht der Physikstudent, mit dem Zahnmeißel federartige Strukturen herauszuarbeiten. Obwohl er noch vieles vom ersten Mal weiß, bringt ihm die Übung und das Erlernen neuer Techniken viel.

Bausch kann sehen, wie sich die „Wiederholungstäter“ weiterentwickeln. „Das zweite Mal kann man auch seine Kräfte besser einteilen“, sagt Susanne Clauß (55) aus Niefern, die ein Schneckenrelief für den Garten fertigt. Wie sie hatten die meisten Teilnehmer eine Idee. Einer musste jedoch frustriert aufgeben: Seine Arbeit fiel beim zu festen Ansetzen des Werkzeugs in der Mitte auseinander.