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Noch geht es heiter zu: Governante (Steinunn Sigurdardottir), Miles (Susanna Edelmann) und Flora (Laura Kirchgässer, von links).  Foto: Tom Kohler 

Benjamin Brittens Oper „The Turn Of The Screw“ als tragische Schilderung eines Kindermissbrauchs

Karlsruhe. Warum spielen deutsche Theater nur so selten Britten-Opern? Zugegeben, die großen Werke des Briten wie „Peter Grimes“ oder „Billy Budd“ sind richtig schwer – auch zu besetzen. Aber so köstliche Werke wie sein „Sommernachstraum“ oder so komische wie „Albert Herring“?

Wie spannend und zeitgemäß Benjamin Britten sein kann, das hat gerade die Musikhochschule Karlsruhe mit der Kammeroper „The Turn Of The Screw“ bewiesen.

Die schauerliche Novelle von Henry James von 1898 hat der Komponist im Jahr 1954 als Zweiakter auf die Bühne gebracht – als Gespenstergeschichte in dem englischen Landanwesen Bly und als psychologische Studie der Gouvernante, die die Waisenkinder Miles und Flora betreuen soll. Schnell wird klar, in dieser scheinbar heilen Welt stimmt gar nichts. Die Vorgängerin tot, der Kammerdiener tot. Und die Hausdame weiß mehr, als sie verrät. Denn die beiden Verstorbenen üben weiterhin einen vernichtenden Einfluss auf die Kinder aus, die sie missbraucht hatten.

Das geht unter die Haut, auch weil die Musik diese diffuse Welt mit Holzbläsern, Harfe, Celesta und balinesischen Klängen eindringlich charakterisiert, weil Brittens Zwölftonthema sich immer enger schraubt. Dirigent Alois Seidlmeier sorgt mit seinem Kammermusikensemble immer wieder für Schaudern. Und auch die sechs Studierenden auf der Bühne gewinnen darstellerisch und gesanglich ihren Rollen spannende Facetten ab.

Sandra Pfäfflin

Sandra Pfäfflin