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Gegenseitig beflügelt haben sich beim Klosterkonzert in Maulbronn Bernd Glemser (Klavier), Friedemann Eichhorn (Violine, links) und das Delian::Quartett. Foto: Fotomoment
Gegenseitig beflügelt haben sich beim Klosterkonzert in Maulbronn Bernd Glemser (Klavier), Friedemann Eichhorn (Violine, links) und das Delian::Quartett. Foto: Fotomoment
11.09.2017

Bernd Glemser und Freunde bei Maulbronner Klosterkonzerten

Maulbronn. Musikliebhaber schätzen die Maulbronner Klosterkonzerte wegen ihrer atmosphärisch dichten Schönheit und unvergleichlichen Programmvielfalt. Selten in höchster Wiedergabequalität zu erlebende Musik-Formationen bereicherten die beiden Wochenend-Konzerte im Rahmen der „Kammermusikwoche Bernd Glemser und Freunde“.

Am Freitag stellten Maulbronns Residenz-Pianist Glemser und ein mit Felix Renggli (Flöte), Kai Frömbgen (Oboe), Pablo Barragán (Klarinette), Bram van Sambeek (Fagott) und Olivier Darbellay (Horn) erstklassig besetztes Bläserquintett ein facettenreiches Programm vor. Wolfgang Amadeus Mozarts „Quintett mit Klavier“ in Es-Dur (KV 452) eröffnete den Abend. Wirkungsvoll trat das Tasteninstrument dem wohlausbalancierten Bläserquartett gegenüber. Glemser nutzte die Freiräume des Pianisten vorzüglich. Die Bläser agierten durchaus individuell und setzten ihre Klangfarben sehr bewusst ein. Einfühlsam wurden die unterschiedlichen Stimmungsvaleurs der drei Sätze herausgearbeitet. Das rhythmisch mitreißend durchformte Bläserquintett g-Moll (op. 56,2) von Franz Danzi offerierte den begeisterten Zuhörern temperamentvoll wirbelnde Klangsequenzen, in die sich alle fünf Blasinstrumente, allen voran die Flöte, mit hoher Virtuosität einbrachten. Im abschließend wiedergegebenen „Sextett op.100“ von Francis Poulenc gesellte sich noch einmal der Pianist zu den Bläsern. Rasante Abschnitte wechselten sich mit getragen ruhigen Passagen ab, klangintensive Fagott-Soli mit Einwürfen der Posaune. Manches an dem ziemlich zerklüfteten Werk weckte Erinnerungen an Gershwins „Rhapsody in Blue“, insbesondere die Einspieler von Klarinette und Oboe.

Neues Klangbild

Am Samstag malten Saiteninstrumente ein ganz anderes Klangbild. Das renommierte Delian::Quartett interpretierte Joseph Haydns Streichquartett h-Moll (op. 33 Nr.1) sowie Sätze aus der Streichquartett-Fassung von Johann Sebastian Bachs „Die Kunst der Fuge“ (BWV 1080). In beiden Stücken dominierte Primarius Adrian Pinzaru (Violine) mit vibratoarm flachem, in den Höhen etwas schrillem Ton, der von seinen Streicher-Kollegen Andreas Moscho (Violine), Georgy Kovalev (Viola) und Miriam Prandi (Violoncello) klangsinnlich eingebunden wurde.

Sensationell präsentierte sich der Abschluss des Konzertes mit einer faszinierenden Wiedergabe von Ernest Chaussons Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett D-Dur (op. 21). Schon allein wegen seiner anspruchsvollen Besetzung ist die (deshalb) selten aufgeführte Komposition spekta-kulär: Wo finden neben einem namhaften Streichquartett ein Pianist wie Glemser und ein Geigensolist vom Range Friedemann Eichhorns zu gemeinsamem Spiel? Wenn sechs Instrumentalisten dieses Formats sich gegenseitig beflügeln und im akustisch idealen Laienrefektorium des Zisterzienserklosters musikalisch auftrumpfen, ist eine Sternstunde angesagt. Die kühne Harmonik des von César Franck und Richard Wagner beeinflussten Komponisten wurde von den Maulbronner Interpreten mit überschäumender Lust aufgenommen. Da gab es leidenschaftlich zugespitzte Zwiegespräche zwischen der vibratosatt bis in höchste Höhen aufsteigenden Solovioline und dem energisch vorwärtsdrängenden Klavier, was sich zu wuchernden Klangmassen ausweitete, wenn sich das Quartett intensiv in den Dialog einmischte. Auf schwelgerische Tutti folgte feiner Violin-Gesang, träumerisch untermalt vom Tasteninstrument, das sich zudem mit knallhart gehämmerten Akkordfolgen zu Wort meldete. So erfreuten und beeindruckten am letzten Glemser-Wochenende reizvoll weit gestreute Musiklandschaften das zahlreich erschienene Konzertpublikum.