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Peter Lorenz
Peter Lorenz
16.04.2018

Berührende „Lichtgestalten“: Kammerchor Tübingen zu Gast in Mühlacker

Mühlacker-Dürrmenz. Es war eine Freude, diesen Chor, diese blendend disponierten Stimmen hören zu dürfen. Mit einem österlichen, in großer Spannweite unter dem Motto „Lichtgestalten“ facettenreich ausgewählten Programm gastierte am Samstagabend der Südwestdeutsche Kammerchor Tübingen in der St.-Andreas-Kirche in Mühlacker-Dürrmenz und begeisterte die Zuhörer.

Grenzenloser Gesang

Diesem Ensemble, das von Peter Lorenz kompetent und motivierend geleitet wird, scheinen stilistisch kaum Grenzen gesetzt. Die a cappella vorgetragenen „Engelsgesänge“ reichten vom gregorianischinspirierten, auch im mönchischen Unisono mit einem Vorsänger intonierten Graduale „Angelis suis“ von Vytautas Miskinis (geboren 1954) bis zum spätromantisch hochkomplexen „Ave Maria“ von Anton Bruckner, in dem die Stimmgruppen wie Register einer Orgel funktionieren müssen und sanftes Legato von kraftvollen Schwelltönen abgelöst wird.

Einleitend interpretierte der in zwei Reihen vor Altar und Kanzel breit aufgestellte Chor den „Angel Song II“ des 1970 geborenen Will Todd – eine raffinierte, in fließenden Klangwellen rein vokal (ohne Text) intonierte Komposition. Neben solchen modernen „Gesängen“ waren auch altmeisterliche Werke zu hören, beispielsweise die mit fugiert verschränkten, ineinander verflochtenen Linien zupackend-energisch interpretierte Renaissance-Chorkomposition „Missus est Gabriel angelus“ von Jean Mouton (1459–1522). Mit Echo-Wirkungen war „Angelus ad pastores ait“ von Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621) zu hören, und als Kontrast dazu derselbe Titel aus den Weihnachtsmotetten von Max Beckschäfer (geboren 1952) mit laut jubilierendem „Alleluia“.

Hinreißend schöne Klangfarben und zarte Expressivität zeichneten die Wiedergabe von Felix Mendelssohn Bartholdys Psalm-Vertonung „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ (Psalm 91) aus. Aufs Sorgfältigste ausbalanciert auch die Interpretation des Tonsatzes „Maria Magdalena et altera Maria“ von Francisco Guerrero (1528–1599). Gedichtvorträge (Lyrik von Manfred Hausmann, Mascha Kaléko, Dorothee Sölle und Gertrud von Le Fort) rundeten das Programm ab. So verließ man die Dürrmenzer evangelische Kirche mit feinen Engelsklängen im Ohr, die spirituell berührten.