nach oben
Die Bezirkskantorei Neuenbürg singt Max Regers Choralkantate „O Haupt, voll Blut und Wunden“ an Karfreitag in der Neuenbürger Stadtkirche.  Molnar
Die Bezirkskantorei Neuenbürg singt Max Regers Choralkantate „O Haupt, voll Blut und Wunden“ an Karfreitag in der Neuenbürger Stadtkirche. Molnar
29.03.2016

Besinnliche Passionsmusik: Werke von Max Reger in der Stadtkirche Neuenbürg

Neuenbürg. Manchmal wirkt sie düster und ernst, manchmal schlicht, fast unbeschwert – die spätromantische Musik von Max Reger. In einem ansprechenden Passionskonzert kamen einige seiner Chor-, Vokal und Instrumentalwerke in der Stadtkirche Neuenbürg zu Gehör. Auf der Empore, wo die Zuschauerreihen dicht besetzt waren, musizierten Jeannette Bühler (Sopran), Claudia Wehrstein (Alt), Rose Reich (Orgel), Nigel Treherne (Oboe), Kiti Evseeva (Violine) und die Bezirkskantorei Neuenbürg unter Leitung von Bernhard Müller.

Mit großer Behutsamkeit sang der Chor die vierstimmige Motette „Treuer Heiland, habe Dank“. Machtvoll laut dagegen Bachs Präludium und Fuge b-Moll (BWV 867) aus dem „Wohltemperierten Klavier“, das Reger für Orgel bearbeitete. Die Organistin zog hierfür fast alle Register, betonte beim Präludium den stampfenden Rhythmus und ließ die Stimmen der Fuge klar durchscheinen.

Als stilles Stück zum Nachdenken erwies sich die „Melodia B-Dur“ op. 129 Nr. 4 für Orgel und Oboe. Schön dabei der warme, lange Klageton des Oboisten über dem gemäßigten, pedaltiefen Klangteppich der Orgel. Auch einige getragene und einfach gesetzte Lieder aus „Zwölf geistliche Lieder für Stimme und Orgel“ op. 137 wurden feinfühlig vorgetragen.

Voller Schmerz etwa die „Klage vor Gottes Leiden“ der Sopranistin Jeannette Bühler. Frieden und Zuversicht strahlte die Altistin Claudia Wehrstein mit ihrem mezzosopranistischen Timbre bei „Am Abend“ aus. Eine Herausforderung für alle Ausführenden stellte Regers Choralkantate „O Haupt, voll Blut und Wunden“ dar. Bei den zehn Strophen wechselten Gesangssolisten und Chor einander ab. Die Orgel begleitete nur zeitweise, teils gar nicht. Auch Violine und Oboe, die einen schönen Farbkontrast bildeten, setzten mal zusammen, mal alternierend ein. Die chromatische Tonsprache und Abwärtsgänge wurden plastisch dargeboten. Eine besinnlich düstere Passionsstunde.