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Ungewöhnlicher Konzertort: Harrie van der Plas, Miriam Kurrle, Matthias Ritter, Claudio Rupa und Ana Teixeira Rua singen und spielen auf dem Balkon. Foto: Molnar
Ungewöhnlicher Konzertort: Harrie van der Plas, Miriam Kurrle, Matthias Ritter, Claudio Rupa und Ana Teixeira Rua singen und spielen auf dem Balkon. Foto: Molnar
24.07.2017

Birkenfelder Balkonkonzert begeistert Publikum

Birkenfeld. Ein kräftiges Lüftchen weht durch den Garten von Zahnarzt Michael Speich, der zum elften Mal sein „Birkenfelder Balkonkonzert“ veranstaltet. Bis in die hinterste Ecke sind die Stühle und Bänke belegt, 180 Gäste sitzen inmitten eines Blumenmeers und unter rauschenden Bäumen – manchmal hört es sich an, als ob sich die Natur mit der Musik abgestimmt hätte. So scheint der Wind bei Johann Strauß’ „An der schönen blauen Donau“ gerade dann stärker zu wehen, wenn sich das Spiel des Quartetts intensiviert.

Anders als sonst treten gleich sechs Solisten auf der Bühne des schmalen, langen Balkons. Während die Sopranistin Miriam Kurrle und der Tenor Harrie van der Plas – beide mit ihrer sonoren Stimmgewalt für das Open-Air-Konzert bestens geeignet – mit Opern- und Operettenliedern begeistern, sorgen Claudio Rupa (Violine), Ana Teixeira Rua (Cello), Matthias Ritter (Klarinette) und Christian Knebel (Klavier) für den richtigen Ton bei der Begleitung – und für Schwung bei einigen Ins-trumentalwerken wie dem Ungarischen Tanz Nr.5 von Johannes Brahms.

Der Geiger versteht besonders „Die Lerche“ des rumänischen Komponisten und Landsmanns Grigoras Dinicu virtuos zu präsentieren, ahmt die Vogelstimme bis in die höchsten Töne nach. Ein kurzes „Kuckuck“ gibt der Pianist zurück – fehlt nur noch, dass über den Köpfen der Zuhörer die Vögel gezwitschert hätten. Ein Genuss ist auch der Csardas von Monti, den das Balkon-Orchester und insbesondere Rupa als Zugabe darbieten. Miriam Kurrle hat gleich bei ihrer ersten Arie, dem Vilija-Lied aus „Die lustige Witwe“ von Lehár, einen Glanzmoment. Träumerisch leicht und teils mit Nachdruck singt sie die Melodie, deutlich dramatischer gibt sie die „Winterstürme – Du bist der Lenz“ aus Wagners „Walküre“ im Duett mit dem holländischen Tenor. Mit Charme und einem Tänzchen überzeugen die beiden auch bei „Lippen schweigen“ aus Lehárs „Lustiger Witwe“, eine Rose für die Dame gibt es bei „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus Carl Adam Zellers „Der Vogelhändler“. Mit Verve und ausgebreiteten Armen schmettert der Tenor im Solo den Gassenhauer „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“. Durch das Programm führt Hausherr Speich, der mit trockenem Humor und allerlei sinnverwandten Anekdoten unterhält.