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Die acht jungen Musiker von „Fättes Blech“ heizten im Mühlhausener „Kollmar“ ordentlich ein.  Molnar
Die acht jungen Musiker von „Fättes Blech“ heizten im Mühlhausener „Kollmar“ ordentlich ein. Molnar
25.10.2016

Blasmusik der anderen Art: „Fättes Blech“ bei den Mühlhausener Musiktagen

Und wieder geht es später los: Bei den Mühlhausener Musiktagen im Kollmar-und-Jourdan-Gebäude scheinen sich die Bands abgesprochen zu haben. Wie vor einer Woche steht um 20 Uhr erst der Soundcheck an, einige Musiker sind noch gar nicht da.

Bis die Vorgruppe „Sonic Insight“ die Bühne stürmt, dauert es noch gute 40 Minuten.

Holpriger Start

Vor allem junge Leute kommen an diesem Abend, haben sofort gute Laune, als die acht Jungs von „Fättes Blech“ endlich loslegen. Denn so sehr sich die Vorband aus Rottenburg auch bemühte und krachend lauten Alternative-Rock ins doch relativ kleine „Kollmar“ brachte, so richtig wollte der Funke nicht überspringen. Das ändert sich schlagartig mit den jungen Blechbläsern in kurzen, gelben Hosen, die alles machen – nur keine traditionelle Blasmusik.

Weder Marsch noch Polka ist da zu hören. Stattdessen Hip- Hop, Pop und Rock, auch ein bisschen Reggae, Jazz und Funk – und das in einer so mitreißenden Art, dass die Leute bald springen, tanzen, abfeiern. „Uns ist wichtig, Blasmusik auf andere Weise und besonders für junge Leute attraktiv zu machen“, erzählt Trompeter Philip Stotz im PZ-Gespräch. Mit Robert Rothenhäusler, Florian Biegger (Trompeten), Christoph Dietenberger, Andreas Joos (Posaunen), Julian Hutter (Saxofon), Manuel Sutter (Tuba) und Elias Bentele (Schlagzeug) präsentiert er eigene Arrangements und schräge Zusammenschnitte, zum Beispiel von „Amsterdam“ von Fettes Brot, „Türlich Türlich“ von Das Bo oder Ben E. Kings „Stand By Me“ à la Mexikanisch, bei dem der Tubist Sombrero trägt. Die 2013 gegründete Gruppe aus Friedrichshafen schlägt ähnlich abgefahrene Töne an wie die amerikanische Youngblood Brass Band, von der sie auch Stücke wie „Brooklyn“ oder „From Now On“ serviert.

Der Kracher des Abends aber ist „Die da!?!“ von den Fantastischen Vier, bei dem Stotz und Hutter ihr Blech mit dem Mikro tauschen und unter den Zuschauern drauf los rappen. Dieses Konzert hat Wiederholungswert, macht Laune und lässt eines schnell vergessen: die Wartezeit am Anfang.