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Spektakuläre Installation: Kurator Harald Kröner inmitten der Arbeit von Myriam Holme im Eingangsbereich der Pforzheim Galerie.  Meyer
Spektakuläre Installation: Kurator Harald Kröner inmitten der Arbeit von Myriam Holme im Eingangsbereich der Pforzheim Galerie. Meyer
14.07.2017

Blick in die Kunst-Welt: Ausstellung „welt offen“ wird in der Pforzheim Galerie eröffnet

Der Titel ist Programm: „welt offen“ zeigt sich die neue Ausstellung in der Pforzheim Galerie. Und rekurriert damit im Jubiläumsjahr auf die glorreichen Zeiten, als Pforzheims Schmuck und die Goldstadt-Reisenden in allen Ecken und Enden des Globus vertreten waren.

Doch nun wird die Welt nach Pforzheim geholt – in Form von internationalen Kunstwerken. Der Künstler Harald Kröner hat die Schau kuratiert – und zeigt dem Betrachter einen ganz persönlichen Blick auf das, was die Kunstwelt in den vergangenen Jahrzehnten bewegte. Denn da sind zum einen bekannte Namen, wie Joseph Beuys (1921-1986), Alighiero e Boetti (1940-1994), Blinky Palermo (1943-1977), die in die Vergangenheit weisen. Da sind richtungsweisende Künstler wie Lawrence Weiner, Marcel Broodthaers, Michael Venezia und David Reed, die alle in den 1920er- bis 1940er-Jahren das Licht der Welt erblickten. Und da sind Maler und Zeichner, die der Generation des 1962 in Pforzheim geborenen Künstlers Harald Kröner entstammen: Karin Schwarzbek, Robert Zandvliet, Michael Toenges, Ingo Meller. Regionale Aspekte werden durch Susanne Ackermann, Heinz Pelz, Barbara Hindahl, Silvia Bächli und Klaus Heider vertreten. Die Namensaufzählung ließe sich fortsetzen – bis zur Zahl 29. So viele Kunstwerke und Künstler hat Kröner versammelt. Und dabei häufig sehr spannende Bezüge geschaffen.

Beuys neben Meese

Der wohl spektakulärste: In einer leicht vergammelten Vitrine wird eine der Von-Gloeden-Postkarten von Beuys präsentiert, ein Multiple aus dem Jahr 1978. Sie zeigt eine Aufnahme des deutschen Fotografen Wilhelm von Gloeden (1856-1931), der mit seinen Knaben- Akten für Aufregung sorgte. Beuys hat die historische Postkarte verändert, sie mit einem gezeichneten Stempel und der Aufschrift „La rivoluzione siamo noi“ (Die Revolution sind wir) versehen. Gleich daneben hängt das Werk eines anderen Kunst-Revolutionärs: Johnathan Meese ist in der Schau mit einem Gemälde aus der „Isis“-Reihe vertreten: die große Göttin vor schwarzem Grund.

Eine spannungsvolle Beziehung gehen auch die Kunstwerke von Katharina Hinsberg und David Rabinowitch ein: Als ob ein Lufthauch sie davonschweben lassen würde, so federleicht kommt die winzige und mit einem Skalpell ausgeschnittene Bleistiftzeichnung der gebürtigen Karlsruherin daher. Und daneben, fest am Boden verankert, die schwere Skulptur des kanadischen Bildhauers. Doch die Geschlossenheit dieser Arbeit verflüchtigt sich schnell, löst sich in geometrische Einzelteile auf.

Ein Art Jubiläumsgeschenk

Aus der Freiburger Sammlung Bürkle stammt die in Pforzheim gezeigte Arbeit von Rabinowitch. „Eine meiner Lieblingssammlungen“, sagt Harald Kröner, der zum ersten Mal eine Ausstellung in dieser Größe kuratiert. Nein, leicht sei es nicht gewesen, all die privaten Sammler davon zu überzeugen, ihre Schätze drei Monate lang nach Pforzheim zu geben. „Aber viele waren von der Idee überzeugt, der Stadt zum Jubiläum ein Art Geschenk zu machen“, schildert er. Und so ist mit einem für die Pforzheim Galerie recht hohen Budget von 15 000 Euro eine Ausstellung entstanden, die eintauchen lässt in ganz unterschiedliche Positionen von Malerei und Zeichnung. Und die mit einer spektakulären Installation von Myriam Holme ihren Auftakt nimmt: Mit „glanzgewebtes dazwischen zwei“ hat sie ein goldenes Eingangstor in die Ausstellung geschaffen, die auch mit einem markanten Schlusspunkt endet. Klaus Heider, der 1983 bis 2000 eine Professur für Fotografie und Malerei an der Hochschule Pforzheim innehatte, formuliert in seiner Fotoarbeit die These „Durch den gnädigen Filter der Täuschung können wir in der Wirklichkeit leben, die wir für wirklich halten.“ Und was könnte, sagt Kröner, als Sinnspruch passender sein für eine Stadt, in der das Doublé erfunden wurde?