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Rocken das „Exil“ mit ihrem authentischen Blues: Michael Reufsteck, James Boyle, Martin Donner und Holger Janes (von links). Foto: Roller
Rocken das „Exil“ mit ihrem authentischen Blues: Michael Reufsteck, James Boyle, Martin Donner und Holger Janes (von links). Foto: Roller
13.12.2016

Blues-Rock bis die Wände im „Café Exil“ wackeln

Pforzheim. Um kurz nach halb zehn am Samstagabend geht es los: Vier Herren mittleren Alters betreten die Bühne im Pforzheimer „Café Exil“. Sie schnappen sich ihre Instrumente, von denen einige schon ziemlich abgewetzt aussehen. Dann fangen sie an zu spielen: Harte Gitarrenriffs, ein wummernder Bass, ein wuchtiges Schlagzeug und die kräftige Stimme von James Boyle. Blues-Rock vom Feinsten.

Mehr als zwei Stunden lang bringt die Band „Honey Creek“ die Kultkneipe zum Erbeben. Auf der Bühne machen die vier Musiker aus Saarbrücken keine halben Sachen. Schlagzeug und Bass geben den Rhythmus vor, darauf kommt die Gitarre, die für die Melodie zuständig ist. Und zu guter Letzt: Die Stimme von James Boyle, der allen anderen die Schau stiehlt mit seinen Tattoos an den Armen, den auffälligen Leggings, dem Zylinder auf dem Kopf und den fast schon unverschämt großen Löchern in den Ohren. Am auffälligsten ist aber sein rund 30 Zentimeter langer, weißer Bart, den er mit Stolz zu tragen scheint.

Um neben ihm aufzufallen, müssen sich seine Bandkollegen schon ordentlich ins Zeug legen. Zum Beispiel, wenn Gitarrist Michael Reufsteck und Bassist Holger Janes bei „Morning Star“, einer deftigen Hardrock-Nummer, mit ihren Instrumenten so ungestüm nach vorne preschen, dass Boyle mit Singen kaum hinterherkommt.

Erstes Album

An diesem Abend spielen die vier vor allem selbst geschriebene Songs von ihrem neuen Album „Devil’s Lullaby“, das erst vor wenigen Monaten erschienen ist. Es ist übrigens die erste Platte der vor rund vier Jahren gegründeten Blues-Rock-Formation. Vorher haben sie vor allem Coversongs gespielt. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass unsere eigenen Lieder den Leuten auch gefallen“, erzählen Reufsteck und Janes ein paar Minuten vor dem Konzert im PZ-Gespräch. Die beiden wirken locker, ganz entspannt. Star-Allüren haben sie keine. Dabei haben sie schon als Headliner auf dem Altstadtfest in Saarbrücken gespielt, beim Südwestrundfunk in Baden-Baden und sogar auf einem großen Blues-Rock-Festival in Russland vor Tausenden Fans. Warum treten sie dann in Pforzheim vor einem vergleichsweise kleinen Publikum auf? „Das Exil hat einen guten Ruf“, meint Reufsteck.

Es dauert nicht lange, bis das Publikum im Exil den vier Musikern aus der Hand frisst. Dafür ist vor allem Sänger James Boyle verantwortlich, der ursprünglich aus den Vereinigten Staaten kommt.

Vor rund 30 Jahren ist er als junger Soldat in Saarbrücken stationiert gewesen – und nicht mehr weggegangen. „Ich habe Euch vor den Kommunisten beschützt“, sagt er mit saarländisch-amerikanischem Akzent. Am Anfang hat er vor allem Hardrock gemacht, aber mittlerweile liegen ihm auch langsamere Nummern. „Sleeping With The Lights On“ ist so eine. Sie hat einen guten Rhythmus, kleine Soloparts für den Bass und einen sinnvollen Text, kurzum: So muss eine gute Rockballade sein. Da klatschen sogar die Männer im Publikum. Überhaupt erhalten die vier Musiker an diesem Abend viel Applaus. Es das zu Recht, denn im Gegensatz zu vielen anderen Möchtegern-Bluesbands sind „Honey Creek“ authentisch – auch wenn dieses Wort bisweilen inflationär gebraucht wird. Sie sind eine Gruppe, die man einmal live erlebt haben sollte.