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Machen in Nöttingen den alten Pfarrsaal unsicher: Wolfgang Schäfer, Reinhard Buhrow und Hans Hachmann (von links). Foto: Roller
Machen in Nöttingen den alten Pfarrsaal unsicher: Wolfgang Schäfer, Reinhard Buhrow und Hans Hachmann (von links). Foto: Roller
11.09.2017

BosArt Trio unterhält in Nöttingen mit Wortspielen und Bearbeitungen bekannter Stücke

Das musikalischste Kleintier sei nicht der Floh, sondern die Blattlaus, erklärt Wolfgang Schäfer und grinst. Pianist Reinhard Buhrow versteht den Wortwitz nicht. Schließlich braucht er keinen, der ihm seine Noten wendet. Er spielt lieber auswendig, wenn er mit seinen beiden Kollegen Wolfgang Schäfer und Hans Hachmann auf der Bühne steht.

Das Trio nennt sich „BosArt“ und beweist seit mittlerweile 34 Jahren, dass Humor auch hintersinnig sein kann. Im alten Pfarrsaal in Nöttingen verausgaben die drei sich nicht nur im Erfinden immer neuer Wortspiele, sondern auch im Umtexten bekannter Lieder. Wer braucht heute noch eine rote Sonne, die bei Capri im Meer versinkt? Viel zeitgemäßer wäre doch: „Wenn die silberne Scheibe die Schwarze vom Markt verdrängt.“ Das wäre ein echter Hit. Apropos: Wie schreibt man eigentlich einen Hit? Die drei wissen es natürlich und geben dem Publikum prompt anschauliche Nachhilfe. Aber damit nicht genug: Obendrein erklären sie, was eine Sequenz ist, imitieren den Klang eines Grammofons mithilfe einer alten Zeitung, besingen das Schattendasein der Gambe zur Melodie des Schlagers „La Bamba“ und, weil es in den meisten Opern sowieso immer nur um das Gleiche geht, liefert Hachmann kurzerhand einen ersten Entwurf für seine eigene Oper. Titel: „Il Confetti“ oder zu Deutsch: „Die Mitesser“. Das Ganze soll in einem Aufzug aufgeführt werden – „nicht in einem Fahrstuhl, sondern in einem Akt.“

Geschüttelt oder gerührt?

Aber nicht nur Oper kann das musikalische Trio, sondern auch Filmmusik. Etwa die Titelmelodie von James Bond. Da wird Schäfer zum „Goldfinger der Blockflöte“. Und seine beiden Kollegen sind sich einig: „Wenn man ihn spielen hört, dann weiß man gar nicht, wie man sein soll: geschüttelt oder gerührt.“ Zwei Stunden lang treiben die drei Musiker ihre Späße mit dem Publikum, kommen von einem Thema zum nächsten und denken sich ihre ganz eigenen Theorien aus. Etwa über den Einfluss Italiens auf die Entwicklung der Musik. „Das fußt eben alles auf dem Stiefel.“ Wenn sie gerade nicht die Welt erklären, dann singen sie selbst, mit übertriebener Mimik und Gestik versteht sich. Buhrow langt am Piano kräftig in die Tasten, spielt neben Bach und Mozart auch „Happy Birthday“ und „Hänschen klein“.

Unterhaltung auf hohem Niveau, Musikkabarett vom Feinsten. Das Publikum hat seinen Spaß, kommt besonders gegen Ende aus dem Lachen nicht mehr heraus und spendet minutenlang tosenden Applaus. Als Zugabe für den Nachhauseweg präsentiert das vielseitige Trio ein Wanderlied. Und weil das nicht genügt, folgt: „Der Mund ist aufgegangen.“ Das stimmt sogar, denn nach dem Auftritt bietet der alte Pfarrsaal seinen Gästen noch einen Imbiss an.