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Eine Welt zwischen Träumen und Wachen: Lucia Solari und Ledian Soto in „Daybreak.  Foto: Klenk 

Bravouröser Einstand: Bridget Breiner stellt sich mit Eröffnungsproduktion als neue Ballettdirektorin am Karlsruher Staatstheater vor

Karlsruhe. Tänzer fluten in Wellenbewegungen die Bühne oder geben sich scheu und zart. Andere scheinen Schrittkombinationen spontan zu erfinden. Auch glamourös-romantische Ballett-Szenen fehlen nicht. Und selbst akrobatische Gesten machen deutlich, dass sinnsuchende Menschen ihre Glieder nicht grundlos verrenken. Bridget Breiner stellt sich mit ihrer Eröffnungsproduktion als neue Ballettdirektorin am Karlsruher Staatstheater vor. Und engagiert zudem sieben Choreographen von Rang für ihren ersten Abend.

Breiners zweiteilige Programmtitel-Choreographie „Seid Umschlungen“ zu Schillers Ode „An die Freude“ und Beethovens 9. Sinfonie, die in der Liszt-Bearbeitung für zwei Klaviere geboten wird, umrahmt facettenreiche Ballett-Kreationen. Unter einem Möbiusband, das den Bühnenraum mit schwebender Schleife durchschlängelt, versammeln sich in schwarzen Mänteln die Ensemble-Mitglieder. Später tanzen sie rasant ohne Mäntel zu schnellen Musikabschmitten oder gleiten geschmeidig zum langsamen Beethoven-Sinfoniesatz.

Es folgt der Pas de dix aus dem dritten Akt von Marius Petipas „Raymonda“-Ballett, von Lynne Charles zu Glasunows Musik hochklassisch aufbereitet. Die Choreographie „Aways/Only“ von Kevin O’Day – wie Breiners Arbeit eine Uraufführung – zeigt zwei Paare, die mit Leidenschaft körperliche Nähe suchen. Im rückenfreien schwarzen Hosenanzug zelebriert Nadja Sellrup das von Marco Goecke geschaffene, unglaublich fordernde Solo „Tué“. Genauso erregt und nervös wie die musikalisch zugrunde gelegten Lieder der Chansonnière Barbara sind die zuckenden Bewegungsabläufe der Tänzerin. Marguerite Donlons locker vertanztes Ensemble-Stück „Ruff Celts“ zu Irish Folk löst alle zuvor aufgebauten Spannungszustände.

Anmutig fröhliche Ballettklassik präsentiert David Dawsons Pas de Cinq aus seinem Handlungsballett „Giselle“. Im anschließenden Pas de deux „Daybreak“ von Pontus Lidberg verliert sich das Duo Lucia Solari und Ledian Soto in der Welt zwischen Träumen und Wachen. Zu Kurt Weills „Mack The Knife“ hält mit Richard Siegals Duo „The New 45“ Broadway-Entertainment Einzug in Breiners Ballettabend. Pablo Octávios und Joshua Swains jazzig muntere Dancefloor-Attitüden bieten Witz und Spaß. Mit diesem Niveau dürfte Karlsruhe weiterhin zu den führenden Ballettbühnen in Deutschland zählen.