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Alina Somova gibt eine märchenhafte Vorstellung der Prinzessin.
Alina Somova gibt eine märchenhafte Vorstellung der Prinzessin. © Razina
22.12.2015

„Buckliges Zauberpferdchen“ - Mariinsky-Ballett mit Geheimtipp in Baden-Baden

Baden-Baden. Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Das Mariinsky-Ballett aus St. Petersburg hat zu seinem diesjährigen Weihnachts-Gastspiel im Festspielhaus Baden-Baden ein ganz besonderes Märchenballett mitgebracht: „Das bucklige Zauberpferdchen“. Dieses russische Märchen kennt hierzulande kaum jemand. Der junge Rodion Schtschedrin hat in den 1950er-Jahren eine schwungvolle und klangfarbenreiche Musik geschrieben.

Mit ihr hat der Dirigent Valery Gergiev das Gastspiel des Mariinsky-Theaters St. Petersburg, in Baden-Baden eröfnnet. Das Orchester lässt es mit hörbarem Genuss krachen, bringt aber auch die zarten, lyrischen Elemente der Komposition zur Geltung.

Knallbunte Ausstattung

Es gibt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Ballettkreationen zur Handlung des „Zauberpferdchens“. Für das Mariinsky-Ballett hat Alexei Ratmansky 2009 eine fantasievolle, witzige Choreografie auf der Basis des klassischen Kanons geschaffen. In Verbindung mit der knallbunten, abstrakten Ausstattung von Maxim Isaev ergibt sich in Baden-Baden ein Tanzvergnügen, das kindgerecht ist, zugleich aber auch erwachsenen Ballettfans Freude macht.

Durch das Tempo von Tanz und Musik, die abwechslungsreichen Bilder und schnellen Wechsel zwischen Ensembleszenen und Solonummern kommt selbst für Angehörige der Smartphone-Generation keine Sekunde Langeweile auf. Aus den Märchenfiguren wie der schönen Prinzessin, dem alte Zar und dem intriganten Kammerherrn hat Ratmansky amüsante Charakterporträts geschaffen. Die Solisten des Mariinsky-Balletts verkörpern diese Charaktere perfekt. Übermütig springt Iwan durch sein Leben, das aus überraschenden Wendungen und Abenteuern besteht, seit er mit dem buckligen Zauberpferdchen unterwegs ist. In bemerkenswert synchronen Pas de deux federn die zwei Tänzer über die Bühne und bewältigen mit Charme die unmöglichsten Aufgaben, die der fiese Kammerherr stellt.

Ebenso herrlich die Figur des alten Zaren. Er ist schon ein wenig senil, aber er will unbedingt die schöne junge Prinzessin heiraten, die er im Traum gesehen hat. Als Iwan sie an den Hof bringt, kommt der alte Herr außer Atem bei den Versuchen, mit ihr zu tanzen.

Die Prinzessin selbst ist eine Idealpartie für jede Primaballerina. Mal verträumt, mal neckisch, schwebt und pirouettiert sie auf Spitze einher, jede Bewegung und jede Pose wie für einen Ballett-Bildband. Auch die Auftritte der Fabelwesen gehören zu den Höhepunkten. Hier brilliert das Ensemble als stolze Feuervögel und unheimliche Meeresbewohner ebenso wie als tanzfreudige Bevölkerung. Das wirklich zauberhafte „Zauberpferdchen“ könnte gern auch bei kommenden Weihnachtsgastspielen des Mariinsky-Balletts über die Bühne des Festspielhauses springen.

Nike Luber