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Die Vielfalt der Blechblasinstrumente zeigt „WorldBrass“.  Baier
Die Vielfalt der Blechblasinstrumente zeigt „WorldBrass“. Baier
19.07.2016

Bunter Stilmix – „WorldBrass“ im Maulbronner Kloster

Maulbronn. Wer kann schon aus Rimski-Korsakows „Hummelflug“, dem Bravourstück klassischer Instrumentalsolisten, einen Mambo machen? Wer von betulichen Renaissance-Gaillarden und -Pavanen problemlos zum metallisch gleißenden Big-Band-Sound à la Duke Ellington wechseln? „WorldBrass“, das internationale Blechbläser-Ensemble (zehn Bläser und ein Schlagzeuger) kann das – und noch viel mehr.

Alle Stühle waren im Kreuzganggarten des Maulbronner Klosters mit begeisterten Zuhörern besetzt, als das elfköpfige musikantische Chamäleon über alle Genre-grenzen hinweg seinen teils artistischen und fast immer virtuos bunten Stilmix zelebrierte – mal fetzig schwungvoll und dröhnend laut, mal klangselig zart verspielt, manchmal auch dissonant schräg. Solche Musik und solchen Zuspruch erleben auch die Klosterkonzerte nicht alle Tage.

Alte Tänze und neue Werke

Da gab es neben den in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Claude Gervaise und Pierre Attaignant komponierten altfranzösischen Tänzen, deren Bläserklang mit Handtrommel und Schellen unterlegt wurde, ein „Playground for Angels“ benanntes Stück des zeitgenössischen finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara – eine Originalkomposition für Bläsergruppen, die sich zuweilen wie eine vielstimmig säuselnde, fröhliche Neckerei unter Kindern anhörte, dann aber wie eine heftige, auch zu Misstönen greifende Standpauke erwachsener Erzieher an die Adresse der Kleinen. Der Facettenreichtum der Bläserfarben – von der brummelnden Tuba über unterschiedlich mensurierte Posaunen bis zur hohen Trompete – zeichnete auch ein Arrangement zu Edvard Griegs „Peer Gynt“-Suite aus: Trauermarsch-Stimmungen („Ases Tod“) wurden von verführerischen Melodien („Anitras Tanz“) oder lustig-rasant stolpernden Trollen („In der Halle des Bergkönigs“) abgelöst.

Eine ziemlich lärmende Ballett-Musik von Dimitri Schostakowitsch („The Bolt“), Swing von Duke Ellington und rhythmisch betonte oder balladenhafte Latino-Tänze sowie als Zugabe eine Version des Schlager-Hits „Bésame mucho“ rundeten das vielgestaltige Freiluft-Konzert ab.