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Stolz auf die neue CD: Peter Braun, Michael Hörrmann, Peter Rückert, Stefan Morent und Anette Sidhu-Ingerhoff vom SWR (von links). Foto: Henkel
Stolz auf die neue CD: Peter Braun, Michael Hörrmann, Peter Rückert, Stefan Morent und Anette Sidhu-Ingerhoff vom SWR (von links). Foto: Henkel
08.09.2017

CD mit gregorianischen Gesängen aus württembergischen Klöstern in Maulbronn vorgestellt

Maulbronn. Weltkulturerbe-Architektur fasziniert ihre Besucher, strahlt einen Genius loci aus. Beim Maulbronner Zisterzienser-Kloster kommt der Genius musici hinzu – nicht nur wegen der seit nahezu 50 Jahren veranstalteten Klosterkonzerte, sondern auch dank einer viel älteren Musiktradition. Die gregorianischen Gesänge der Messe-Liturgie wurden im Mittelalter mehrmals täglich von den Mönchen zelebriert.

Nach der Reformation hatten freilich die kunstvoll verzierten, handgeschriebenen Notenblätter und -Bücher ausgedient. Luther, selbst ein leidenschaftlicher Musik-Mensch, wollte mit der Gemeinde deutsche Lieder und Choräle singen. So zerlegte und zerschnitt man die alten Handschriften auch in Maulbronn und verwendete, das wertvolle Pergament-Material für Einbände neuer Klosterakten, die heute noch im Landesarchiv in Stuttgart aufbewahrt werden.

Im Rahmen des „Forschungsprojektes Klosterbibliotheken“ werden seit Jahren 15 000 Aktenbände gesichtet, in denen auch Notenblätter aus der Maulbronner Klosterbibliothek eingebunden sind. Archivare haben bereits kostbare Schätze gehoben, Musikwissenschaftler die wiedergefundenen Fragmente an den historischen Original-Aufführungsorten zum Klingen gebracht. Die dabei aus einer Kooperation von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, Landesarchiv Baden-Württemberg und SWR in Super-Audio-Qualität entstandene CD wurde nun in Maulbronn vorgestellt.

Michael Hörrmann von den „Schlössern und Gärten“ freute sich, dass ein weiteres Mal „Denkmalverständnis durch Denkmalkontakt“ hergestellt werden konnte, wobei in diesem Fall die Klosterkirche mit ihrer atmosphärischen Dichte und Akustik als zusätzliches Instrument für ein musikalisches Kunstwerk diente. Peter Rückert vom Landesarchiv erläuterte die Arbeitsweise und den detektivischen Spürsinn seiner Mitarbeiter und zeigte sich begeistert von der Wiedererweckung geistlicher Musik des Mittelalters. Der Tübinger Musikwissenschaftler und Leiter des auf mittelalterliche Musik spezialisierten Vokalensembles „Ordo Virtutum“, das die Graduale und Antiphonale der Zisterzienser-Mönche für die CD interpretiert hat, betonte, dass je nach Klangraum-Eigenschaften und akustischen Bedingungen der in den Klöstern Salem, Maulbronn, Bebenhausen und Alpirsbach durchgeführten Aufnahmen sehr individuelle Klangwelten zu hören seien: „Der wunderbare Klang aus Maulbronn kommt dem Himmel sehr nahe.“ Peter Braun von der Klosterverwaltung machte darauf aufmerksam, dass am 16. September im Rahmen der Klosterkonzerte Ordo Vitutum mit dem Musikprogramm der CD live zu hören sei.