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Auch die „Dame in Capri“ aus dem Jahr 1927 ist in Calw zu sehen.  Stadt Calw
Auch die „Dame in Capri“ aus dem Jahr 1927 ist in Calw zu sehen. Stadt Calw
Die letzten Jahre verbringt Ziegler in seiner Heimatstadt Pforzheim – und sieht einige seiner Jugendfreude – wie die Tänzerin Anja Römer-Hahn – wieder.  Ketterl
Die letzten Jahre verbringt Ziegler in seiner Heimatstadt Pforzheim – und sieht einige seiner Jugendfreude – wie die Tänzerin Anja Römer-Hahn – wieder. Ketterl
03.05.2016

Calw zeigt Ausstellung des Malers Richard Ziegler

Die Stadt Calw ehrt einen großen Pforzheimer. Denn mit der Ausstellung „Richard Ziegler und Italien“, die heute in der Calwer Hauptfiliale der Sparkasse Pforzheim Calw eröffnet wird, steht ein Künstler im Fokus, dessen Lebensweg in Pforzheim seinen Anfang nahm.

Vor genau 125 Jahren wurde Ziegler hier geboren – und ist im Jahr 1991 auch in der Goldstadt gestorben. Doch dazwischen reist Ziegler wie rastlos umher. Besonders ein Ort ist wichtig für ihn: Italien, das er in den 1920er-Jahren in Studienreisen erkundet. Es sind bedeutende Jahre für Ziegler. Jetzt, nach einem Studium der Philologie und Germanistik, entdeckt er die Kunst für sich – als Autodidakt.

In der Großstadt Berlin

Doch Ziegler zieht weiter. Die Jahre 1925 bis 1932 verbringt er in Berlin. Die pulsierende Großstadt, die „Goldenen Zwanziger“ faszinieren ihn. In der Rolle des Beobachters porträtiert er mondäne Frauen mit roten Lippen, saloppe Herrn in Frack und Zylinder, kostümierte Artisten und Künstler. Im Zentrum seines Berliner Werkzyklus steht die Vergnügungssucht der Großstädter als Form der Verdrängung des Kriegstraumas und als Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs. Publikumsorte wie Zirkus oder Theater zeigt Ziegler genauso wie das nächtliche Treiben und Straßenszenen. Als Mitglied der „Novembergruppe“ gehört er ab 1926 neben Otto Dix, George Grosz und Wassily Kandinsky zu Vertretern der Neuen Sachlichkeit.

Auf großformatigen Ölgemälden, filigranen Kantstiftzeichnungen, Pastellen und Drucken verleiht Ziegler seinen Gesellschaftsstudien Ausdruck. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, emigriert Ziegler 1933 auf die dalmatinische Insel Korcula. Doch Ziegler zieht weiter – wieder einmal.

Von 1937 bis 1962 lebt er in England. Aber er hält Kontakt in die alte Heimat. Das gelingt auch über Hermann Hesse. Ihn trifft er in der Schweiz, 1950 fertigt er eine bekannte Zeichnung des Nobelpreisträgers an. Auch als er 1963 nach Mallorca übersiedelt, verliert er die Verbindung nicht zum Nordschwarzwald. Denn jährlich bricht er nach Calw auf, wo 1982 die Richard-Ziegler-Galerie eröffnet wird. Und 1989 kommt Ziegler endgültig zurück. Er zieht nach Pforzheim. Hier wird ihm 1991 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Ein Jahr später stirbt er – ausgerechnet am 23. Februar – mit 101 Jahren in der Goldstadt. Beerdigt aber wird er in Calw. Dort, wo auch seine Kunst eine Heimat gefunden hat.