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Atemberaubende Verbindung: Musik und Feuerwerk im Hirsauer Kreuzgang.  Roller
Atemberaubende Verbindung: Musik und Feuerwerk im Hirsauer Kreuzgang. Roller
08.08.2017

Calwer Klostersommer geht mit einem Feuerwerk spektakulär zu Ende

Hinter der Bühne schießen zwei Fontänen senkrecht in die Luft, dann steigen unzählige Raketen auf und erleuchten den schwarzen Nachthimmel in sämtlichen Farben.

Es knallt, rauscht und quietscht. Bunte Funken regnen langsam herab. Das Orchester spielt „Music Was My First Love“. Neben der Bühne fangen zwei Herzen Feuer, ein Bengalo wird entzündet, und auf den Ruinen des Kreuzgangs schießen Flammen in die Luft. Zum Schluss noch einmal ein großer Knall. Dann ist er für dieses Jahr zu Ende, der Calwer Klostersommer.

Bevor allerdings am Sonntagabend das Feuerwerk den Himmel über der Hirsauer Klosterruine zum Leuchten bringt, entzünden vier Tenöre, eine Sopranistin und ein 30-köpfiges Orchester ein ebensolches auf der Bühne – bildlich gesprochen, versteht sich. Musikalisch ziehen sie gut zwei Stunden lang alle Register. Filmmusik, Musicals, Klassisches von Verdi, Modernes von Elvis, Zeitloses von Frank Sinatra. Da soll einer sagen, ein klassisches Konzert sei langweilig.

Dass Langeweile keine Chance hat, dafür sorgt auch Dirigent Stellario Fagone, der an Stefan Ottersbachs Stelle den Taktstock schwingt. Auch wenn der Italiener normalerweise am Münchner Nationaltheater dirigiert, hat er in Hirsau die rund 30 Musiker der Frankfurter Sinfoniker bestens im Griff – und das Publikum mit seiner lockeren Art schnell um den kleinen Finger gewickelt. Das staunt übrigens nicht schlecht, als Sopranistin Barbara Marín im eleganten roten Abendkleid die Bühne betritt und mit ihrer samtweichen Stimme die Klosterruine füllt. Ein schöner Anblick. Das denken sich wohl auch die vier Tenöre Rafael Cavero, Brent Damkier, Matthias Stockinger und Richard Wiedl, die um ihre Gunst wetteifern und nichts unversucht lassen, um die Diva für sich zu gewinnen. Da steigt Wiedl schon mal von der Bühne herab, um anschließend zu fordern: „Komm mit nach Varasdin“. Aber so stimmgewaltig er das Stück aus Kálmáns Operette „Gräfin Mariza“ auch schmettert: Er hat die Rechnung ohne seine drei Konkurrenten gemacht. Etwas schmalziger, aber stimmlich nicht weniger beeindruckend erklingt „Be My Love“, dann das zarte „Hallelujah“ von Leonard Cohen und „The Sound of Music“ – ein Stück, bei dem die Streicher einen zarten Klangteppich weben. Aber es hilft nichts: Mit „La donna è mobile“ trösten sich die vier Tenöre darüber hinweg, dass sie die Diva noch nicht bekommen haben.

Aber vielleicht beeindruckt sie ja ein Duett? Vielleicht das „Phantom der Oper“ oder „Tonight“ aus der „West Side Story“? Und wie wäre es mit einer musikalischen Reise nach New York? Schließlich hat Frank Sinatra den „Big Apple“ auch schon besungen. In die Rolle von Elvis schlüpft Rafael Cavero und beweist, dass einem als klassisch ausgebildeter Tenor Rock ’n’ Roll durchaus liegen kann. Am Ende hat Marín doch ein Einsehen: „Dein ist mein ganzes Herz“ singen die vier Tenöre, als sie es endlich geschafft haben.

Das Publikum spendet tosenden Beifall, teilweise im Stehen. Auch nach dem Feuerwerk will es noch nicht gehen und fordert eine weitere Zugabe.