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Weicher, beruhigender Klang: das Capricornus Ensemble in der Klosterkirche Maulbronn. Foto: Fotomoment
Weicher, beruhigender Klang: das Capricornus Ensemble in der Klosterkirche Maulbronn. Foto: Fotomoment
11.06.2019

Capricornus Ensemble Stuttgart musiziert bei den Klosterkonzerten in Maulbronn

Maulbronn. Ein sanfter, weicher, wunderbar beruhigender Klang erfüllte die Zisterzienserkirche. Im Rahmen der Maulbronner Klosterkonzerte musizierte das nach dem Stuttgarter Hofkapellmeister Capricornus (1628–1665) benannte, ungewöhnlich mit vier Posaunen, zwei Violinen und Orgelpositiv besetzte Capricornus Ensemble und beeindruckte das zahlreiche Festival-Publikum.

Wenn es eine über die Religion hinausweisende Tradition im Weltkulturerbe-Kloster gibt, dann ist es die hingebungsvolle Pflege der Musik. Denn sowohl die Zisterzienser-Mönche, als auch Martin Luthers Reformation und das heutige Evangelische Seminar liebten und lieben die „Musica“.

Wenn also – wie in diesem Konzert – die für Europas Musikgeschichte bedeutende Venezianische Schule der frühbarocken Epoche mit ihren San-Marco-Kapellmeistern und -Komponisten musikalisch in Maulbronn Einzug hält, ist das nur folgerichtig. Insbesondere, weil die verwendeten historischen Posaunen, die seit Luthers Übersetzung des Alten Testaments als die biblischen Verkündigungsinstrumente gelten, mit ihren kleinen Schalltrichtern und gedämpften Tönen den Kirchenhall und den sakralen Raum für ihre volle Klangentfaltung geradezu brauchen.

Festliche Bläsermusik, Canzonen, Toccaten und Sonaten standen auf dem Programm. Getragen unaufgeregt und eher melancholisch gestimmt eröffnete Giovanni Gabrielis „Canzon terza a 6“ den Konzertreigen. Mit großem Volumen und metallischem Gleißen strahlten Bass-, Tenor- und Altposaunen auch in Biagio Marinis „Canzon ottava a 6“. Beide Werke wurden vom farbintensiven Darmsaiten-Klang der vibratolos flach gestrichenen Geigen umspielt.

Samtweich dunkler Sound

Giovanni Bassanos vom Ensem-ble-Leiter Henning Wiegräbe mit der Bassposaune solistisch interpretiertes, nur von der Orgel begleitetes Stück „Anchor che col partire“ entfaltete einen faszinierenden, samtweich dunklen Sound. In Marinis Canzon „La Bemba“ für zwei Violinen und Orgel glänzten Andreas Pilger und Cosimo Stawiarski mit ihren Barock-Geigen. Capricornus-Organist Simon Reichert schmückte Claudio Merulos Orgel-Toccata „prima undecimo detto quinto“ mit filigran verspielter Ton-Ornamentik aus. Marinis „Canzon decima a 6“ erfreute im munteren Wechselspiel der Posaunen (mit Wiegräbe, Julia Fischer, Sabine Gassner und Felix Schlüter) und der Geigen.

In unterschiedlichen Besetzungen musizierte die Gruppe auch Kompositionen der wenig bekannten venezianischen Renaissance- und Barockmeister Giovanni Battista Buonamente, Dario Castello, Francesco Usper und Massimiliano Neri. Sie wirkten zwischen 1550 und 1650 an San Marco und dienten dort liturgisch-geistlichen Zwecken. Heute lädt ihre Musik, zumal in Maulbronn, zu innerer Einkehr, Ruhe und Meditation ein.