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... aber auch als umsichtiger Maestro am Dirigentenpult. 
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Stellte im CCP mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester sein Können unter Beweis: Stefan Vladar zeigte sich als exzellenter Konzertpianist . . . Tilo Keller 

Chaotische Schönheit: Stefan Vladar als Pianist und Dirigent im CongressCentrum bejubelt

Pforzheim. Stefan Vladar, Gastdirigent beim Konzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim am Sonntagabend, wäre ein sehr guter Nachfolger von Timo Handschuh, dem scheidenden Künstlerischen Leiter des Orchesters. Doch Vladar steht nicht zur Verfügung, denn der Wiener Klavierprofessor ist nicht zuletzt ein exzellenter Konzertpianist. In beiden Eigenschaften stellte sich der Musiker dem Pforzheimer Publikum im gut besuchten CongressCentrum vor und machte „bella figura“.

Vor allem als Solist verblüffte und begeisterte der Künstler aus Österreich. Seine Wiedergabe von Franz Liszts „Malédiction für Klavier und Orchester“ war gezügelt wild und umwerfend virtuos. Die Tonsprache des Komponisten mit ihren aufgetürmten Pathos-Passagen und den lyrisch versonnenen Überleitungen, die aberwitzigen Läufe und Sprünge waren bei ihm – im wörtlichen Sinn – in besten Händen. Dabei verstand es Vladar mit Souveränität, blinden Lärm zu vermeiden. Er ist kein Sturm- und Drang-Pianist, der sein Ausdruckspulver leichtfertig verschießt. Sondern ein musikantischer Haushalter, der mit seinen Kräften sorgfältig umgeht.

Fein justierte Läufe

Sein Spiel erschließt Zusammenhänge, selbst wirbelnde Trillerketten und temperamentvolle Läufe werden fein justiert und erst im richtigen Moment zu donnerndem Fortissimo freigegeben. Zudem leitete der Solist vom Flügel aus das von Liszt als Begleitung notierte Streichorchester, das sich mit den Funktionen als Ornament und Verstärker der Motive und Themen zu begnügen hatte.

Dem genialen Klavierkonzertstück, dessen eigenartiger Titel „Verleumdung“ oder „Verfluchung“ bedeutet, wurde nach seiner Londoner Uraufführung mit dem jungen Liszt als Interpreten „chaotische Schönheit“ nachgesagt – ein Diktum, das sich statt des im Programmheft abgedruckten, nichtssagenden Adjektivs „Feurig“ besser als Konzertmotto geeignet hätte. Mit seiner Zugabe, der „Consolation Nr. 3“ von Liszt, bewies Stefan Vladar eindrucksvoll, dass er auch ganz anders Klavier spielen kann – nämlich lyrisch verträumt und intim.

Als Maestro am Dirigentenpult präsentierte der Gast mit den Südwestdeutschen außerdem die Serenade Es-Dur (op. 6) von Josef Suk, der als Schwiegersohn Dvoráks bekannt ist, sowie Béla Bartóks häufiger gespieltes „Divertimento“. Die Pforzheimer Interpretation von Suks Streicherstück zeichnete sich durch erfrischende Harmonik und dynamische Kontraste der Tempi und Lautstärke-Abstufungen auch innerhalb der vier Sätze aus. Die gefällig volkstümliche Musik erfreute mit feinen Streichersoli, zeigte aber auch dunkle Stimmungsmomente.

Betörender Klangzauber

Bartóks Divertimento, das nach den Vorgaben des Komponisten mindestens mit je sechs ersten und zweiten Geigen, vier Bratschen, vier Celli und zwei Kontrabässen besetzt sein sollte, gaben die 14 Pforzheimer Streicher in einer – was das Klangvolumen betrifft – ziemlich abgespeckten Version. Dennoch wurden der charakteristische, oftmals dissonante Instrumental-Aktionismus, die beklemmenden Klangsituationen und die ohne „Tümelei“ gebotenen Folklore-Farben orchestral deutlich herausgearbeitet und immer wieder ein betörender Klangzauber erreicht. Ein bejubelter Konzertabend, an den man sich erinnern wird.