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Billie Eilish. Foto: dpa
Billie Eilish. Foto: dpa
17.04.2019

Chartstürmerin Billie Eilish: Popstar mit 17 Jahren

Los Angeles. Dem Ideal des schnieken Teenie-Popstars passt sich Billie Eilish nicht an: schrillbunt gefärbte Haare, gelangweilt-aufmüpfiger Gesichtsausdruck („Ich hasse es, zu lächeln“), ausgebeulte Freizeitklamotten – so posiert sie für Fotos. Auf dem seltsamen Cover ihres Debütalbums erinnert sie an Linda Blair im Horrorfilm „Der Exorzist“.

Und doch (oder gerade deshalb) ist die im Dezember 17 Jahre alt gewordene US-Sängerin – mit vollem Namen Billie Eilish Pirate Baird O’Connell – für viele der kommende Pop-Weltstar. Von einer Sensation ist die Rede, als „faszinierendes Phänomen“ bezeichnet sie auch das gediegene Musikfachblatt „Rolling Stone“: Für Teenager ihrer Post-Millenial-Generation sei Eilish mehr als eine Musikerin, die ihre (oft düsteren und überraschend textlastigen) Lieder selbst schreibt – sondern auch „Schwarm, Vorbild, Freundin, Schwester“.

Die Währungen des Streaming-Zeitalters befeuern den Eilish-Hype: über 18 Millionen Instagram-Abonnenten, Milliarden Abrufe für ihre gerade mal gut 30 Songs bei Spotify und Youtube. Dass ihre erste, Ende März veröffentlichte Platte mit dem sperrigen Titel „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ Platz eins der Albumcharts in den USA und Großbritannien erreichte (Deutschland Rang drei), ist da wohl nur noch etwas für altmodische Statistiker.

Eilish widersetzt sich nicht nur rein äußerlich den typischen Erfolgsformeln für Popstars aus der Retorte. Sie streift in ihren Liedern zwar angesagte Sounds aus R&B, Hip-Hop, Dance- und Electro-Pop, unterlegt sie aber oft mit der melancholischen, dunklen Grundstimmung einer Lana del Rey oder Amy Winehouse. Reduzierte Balladen wie „8“, „Listen Before I Go“ oder „I Love You“ spielen mit Folk- und Jazz-Elementen. Der Gesang klingt lässig, fast beiläufig – doch stets hört man das enorme Potenzial dieser jungen Stimme. Dass Eilish mehr drauf hat als schlichte Boy-meets-Girl-Lyrik, spiegeln schon Songtitel wie „All The Good Girls Go To Hell“ oder „Bury A Friend“. Basis für diese so selbstbewusst wirkende Künstlerin, die kürzlich ihre aus einem Tourette-Syndrom resultierenden Tics öffentlich machte, ist ein behütendes Zuhause in Los Angeles: die Schauspieler-Eltern Maggie Baird und Patrick O’Connell sowie Bruder Finneas, der die Songs zusammen mit Billie Eilish verfasst und produziert.