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Das „Magnificat“ von Christoph Schönherr erklingt in Knittlingen. fotomoment
Das „Magnificat“ von Christoph Schönherr erklingt in Knittlingen. fotomoment
15.11.2016

Chorwerke des 21. Jahrhunderts in der Knittlinger Leonhards-Kirche

Knittlingen. So mitreißend schön kann moderne Kirchenmusik sein. Der Hamburger Musikhochschullehrer Christoph Schönherr hat dem vielfach vertonten „Magnificat“, dem biblischen Lobgesang der Maria (nach Lukas 1, Vers 46-55), eine zeitgenössische oratorische Form gegeben, deren Klangwucht die Akustik der Knittlinger St. Leonhardskirche fast überfordert.

Denn hier bringen die hochmotivierten Interpreten am Vorabend des Volkstrauertags dieses Werk (bei Anwesenheit des Komponisten) zur Aufführung: Unter der Leitung von Ralf Schwarzien singen rund 90 Choristen von der Chorvereinigung Bissingen und dem Aurainchor sowie als Maria die Vokalsolistin Salome Tendies aus Pforzheim mit Verve und aufblühender Fülle – begleitet von einem professionell besetzten Instrumental-Ensemble.

Jubelnd stimmen die Chöre das „Magnificat anima mea Dominum“ an, getragen von einem jazzig jauchzenden Unterton, wie ihn Percussion, Streicher und Saxofon ausformen. Dann steuert die Solistin mikroverstärkt mit klangschöner Stimme ihren Song „For He Took Notice Of His Lovely Servant Girl“ als ausdrucksstarken Kommentar im Swing-Stil bei. Sirenenhafte Streicher-Einwürfe, Bläser-Signale und hämmernde Schlagwerk-Attacken, Stimmengewirr (in der Verszeile „in bracchio suo, dispersit superbos“) oder enormes Anschwellen der chorischen Klangbilder sorgen temperamentvoll vorgetragen für Schwung und befreiender Stimmung, wie es nur ein süffiges Edel-Cuvée aus traditioneller Harmonik, afroamerikanischer Folklore und lateinamerikanischer Rhythmik leisten kann. Schließlich steigern sich die Interpreten mit dem schier endlos repetierten „Amen“-Schlusswort in einen Klangtaumel hinein, der an Wucht und Kraft seinesgleichen sucht.

Facetten- und Farbenreichtum

Im „Vorprogramm“ interpretieren die Chöre, teils a cappella, teils am elektrischen Piano von Stefan Kemper begleitet, geistliche Chorwerke des 21. Jahrhunderts: „Northern Lights“ (von Ola Gjeilo), „There Is Faint Music“ (von Dan Forrest), „Domine Deus“ (von Ruth Morris Gray), „In The Bleak Midwinter“ (von Andy Beck) und „O Magnum Mysterium“ (von Morten Lauridsen). Auch diese Wiedergaben begeistern mit ihrem Facetten- und Farbenreichtum.