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21.11.2008

Christoph Sonntag gastierte im Kulturhaus Osterfeld

PFORZHEIM. Sein schwäbisches Mundartkabarett ist der Hit im Kulturhaus Osterfeld. Obwohl Christoph Sonntag hier erst im März „schlappergoschig Tacheles g’schwätzt“ hat, ist der Große Saal rappelvoll. Die Fans wollen sein neues Überraschungsei-Programm „Drin was drauf steht!“ erleben.

Manche Pointen sind noch die alten. CDU-Oettinger ist der „sizilianische Latinlover“ geblieben. Auch der Ratzefummel“-Test, mit dem eventuelle Schwulitäten katholischer Priester ans Tageslicht befördert werden sollen, oder die wieder gen Osten zu errichtende „Gedenkstättenmauer“ haben es Sonntag nach wie vor angetan. Das meiste aber ist neu. Mit Gedöns verkündigen indische Gongs, Sphärenmusik und Schrift-Parolen auf dem zentral an der Bühnenrückwand platzierten Fernsehbildschirm den Auftritt des schnellschwätzenden Pointendrehers: „Gleich kommt er auf die Bühne, und jetzt jubeln.“

Finanzkrise als Thema

Er ist sofort aktuell bei der Sache, der Finanzkrise – nämlich: Jeder von uns hat ratzfatz 125 Euro für die IKB-Bank geopfert. Deren Sachbearbeiter hätten die Überweisungsscheine im Dunkeln ausgefüllt. „Wenn dui Bengger s'Geld hättet zum Fenschter naus g'schmisse – dees hät länger dauert.“ Dann wendet sich der quirlige Alleinunterhalter mit blitzschnell zupackender Intelligenz zwei Nachzüglern im Publikum zu. „Kommet ihr z'schpät? Ah, aus Lomer'sche (Lomersheim) send ihr, hend'er d'r Stall fertig mache müsse!“ Nahezu übergangslos wird die Klimakatastrophe zum Thema. „Erscht trifft's die neue Länder im Oschde und die norddeutsche Tiefebene. Dees isch aber schad.“

Und dann bekommen, volkstümliche Sprachbilder geschickt nutzend, die Großkoalitionäre ihr Fett weg. Die sollte man in einem Fachwerkhaus tagen lassen, damit sich die Balken biegen und „dees ganze Lumbepack“ unter sich begraben. Die Schönen und Reichen werden bemitleidet, weil es ihnen auf ihren Partys vom Promi-Prosecco schlecht wird, und das vergleichsweise herzhafte Genussleben eines Arbeitslosen gerühmt: „Der hot Dosebier, und zwar virzehnmal am Dag.“

Cem Özdemir, der neue Grünen-Vorsitzende, wird wegen seiner Herkunft zum „Albtürken“ erklärt. Und zwischendurch schlägt Sonntags soziales Gewissen. Mit Geigen-Begleitung besingt er die Freiheit, die erst anfange, wenn „alle was zu fressen haben“. Beflügelt von Dauerlachsalven redet der Mann ohne Punkt und Komma wild durcheinander. Nicht alles würden „Correctness“-Zensoren durchgehen lassen. Aber bei diesem aufgedrehten Tempo, mit dem der nur Schwaben (und vielleicht noch Badenern) richtig zugängliche Wortwitz zuschlägt, ist kritisch distanziertes Nachdenken überhaupt nicht möglich. Der Kerl besitzt eine fast unverschämte Dreistigkeit und macht zum Schluss seiner Vorstellung auch noch aus der Werbung für seine CDs und Witzbüchelchen eine fetzige Kabarettnummer, die er den begeistert johlenden Fans als Zugabe verkauft.