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Christoph Sonntag lässt Ministerpräsident Kretschmann (rechts) und EU-Kommissar Oettinger als Puppen tanzen. Foto: Frommer
Christoph Sonntag lässt Ministerpräsident Kretschmann (rechts) und EU-Kommissar Oettinger als Puppen tanzen. Foto: Frommer
29.09.2017

Christoph Sonntag stellt im CongressCentrum sein neues Programm vor

Pforzheim. Neue Trends kommen und gehen. Aber warum rennen wir ihnen nach? Diese und andere Fragen warf Christoph Sonntag am Mittwochabend im CongressCentrum (CCP) in seiner neuen One-Man-Show „Bloß kein Trend verpennt!“ auf. Knapp 900 Besucher wollten sich den unentwegten Comedy-Schwaben auf keinen Fall entgehen lassen.

„Trends“, weiß der 55-Jährige, „kommen nun mal aus den USA. Auch Horror-Clowns“. Nach bewährtem „Strickmuster“ hängt er, die Zuschauerreaktion ganz kurz abwartend, den eigentlich an die Lachmuskeln gerichteten Schlüsselsatz an: „Zack – haben die einen zum Präsidenten gewählt!“. Ähnlich zelebriert er zum gleichen Thema noch den sarkastischen „Wort-Blitz“: „Was grenzt an Dummheit?“ (Pause) „Mexiko und Kanada“.

Dann sind die neuen Trends dran, ebenfalls immer getreu der Blaupause: Thema kurz und knapp anreißen, sacken lassen, humorige Wendung lakonisch draufsetzen. Beispiele gefällig? „Schönen Mahagoni-Sarg für die Erbtante. Mit Schloss!“. Oder auch: „Sling Trainer. In Pforzheim sonst bekannt als Bondage. Wer jetzt lacht, hat sich verraten!“. In Fahrt gekommen, geißelt Sonntag im weiteren Verlauf des Abends so ziemlich jeden neuen Trend: Chia-Samen, Männer-Dutts, Dash Buttons oder Fitness-Armbänder – die nennt er unumwunden „elektronische Fußfesseln“. Und legt nach: „Auf so eine Geschenkidee kann wirklich nur ne Frau kommen. Aber machen Sie das mal als Mann!“. Zum dankbaren Thema „Geschlechterkampf“ hat er weitere Brüller im Tourneegepäck: „Urlaub ist ne tolle Zeit. Man kann sich endlich mal woanders streiten“.

Traditionell am bissigsten spottet Christoph Sonntag, wenn er Politiker aufs Korn nimmt: „Anton Hofreiter, die Fundi-Rapunzel“, „Kretschmann, der Weißbürzelstrandläufer“ oder „Angela, die Nebelkrähe“. Ganz in seinem Element ist der Waiblinger schließlich, wenn er Winfried Kretschmann und Günther Oettinger nachempfundenen Handpuppen abwechselnd die Stimme leiht und in Baden-Württemberg „den Wolf auswildert“, Justizminister Guido Wolf. Und die von ihm vorgeschlagene Methode, Wahlkampfauftritte von Türkei-Präsident Erdoğan dadurch zu unterbinden, dass ihm Jan Böhmermann als treuer Fremdenführer in Aussicht gestellt wird, lässt er in die satirische Feststellung münden: „So mancher ist schon mal von einer Ziege gebissen worden. Und hat sich doch wieder verliebt!“.

Wie auf dem Fischmarkt

Leider blitzt Sonntags gekonnte Polit-Satire nur immer mal wieder kurz auf – dem stellt er, unmittelbar vor der Pause, einen geballten Merchandising-Block gegenüber. Routiniert, ja. Aber unterhaltsam? Nein. Gut, mit einem Teil des Erlöses aus dem Verkauf von Büchern, CDs, DVDs und anderen Fanartikeln finanziert Sonntag seine Stiftungsprojekte; das Ganze changiert aber irgendwo zwischen Fischmarkt-Schreiern und den beseelten Innenstadt-Missionaren, gleichgültig welcher Provenienz.

Der zweite Teil von Sonntags neuem Programm ist rasanter und deutlich vielfältiger: „Bruder Christophorus“, Trauerschleifen zweckentfremdende Frauen und der immer wieder besonders genüsslich zitierte „Urologe des sonntäglichen Vertrauens“ kommen zu Wort. Der erste Teil dürfte hingegen mehr Tempo vertragen und dem neuen Song „I muss gar nix“ fehlt es an wirklich spritzigem Wortwitz.