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Verliebt: Clara (Theresa Immerz) und Robert (Johannes Fritsche).  Klenk
Verliebt: Clara (Theresa Immerz) und Robert (Johannes Fritsche). Klenk
16.04.2019

„Clara“-Premiere in Baden-Baden: Clara Schumann - Vom Wunderkind zum Flirt mit Brahms

Baden-Baden. Clara und die drei Männer ihres Lebens, das ist kurz gefasst die Handlung der biografischen Oper „Clara“. Die US-amerikanische Komponistin Victoria Bond schrieb das Stück passenderweise im Brahms-Haus in Lichtental bei Baden-Baden. Clara Schumann und Johannes Brahms, die einander über Jahrzehnte viele Briefe schrieben, trafen sich jahrelang jeden Sommer in Baden-Baden. Im Rahmen der Osterfestspiele Baden-Baden hatte „Clara“ Premiere.

Das kleine historische Theater Baden-Baden erweist sich als idealer Spielort für das Stück. Es gibt keine Massenszenen. Claras Triumphe, Claras Liebe, Claras Kämpfe, alles findet im kleinen, familiären Rahmen statt. Eleni C. Konstantatou schuf dafür eine Seelenlandschaft aus Birken, Felsen und Sand.

Bond erzählt Claras Leben von ihrer Kindheit bis zum Tod ihres Ehemanns Robert Schumann sehr ruhig und linear. Man muss kein Kenner von Künstlerbiografien sein, um der Handlung folgen zu können. Sie kreist um drei zentrale Konflikte.

Bevormundung durch den Vater

Da ist Clara, das Wunderkind, das erwachsen wird und sich von der Bevormundung durch den Vater befreien muss. Da ist Clara, die Ehe, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen versucht, was zu Auseinandersetzungen mit dem komponierenden Ehemann führt. Da ist Clara, die, desillusioniert durch den anstrengenden Alltag, in Gedanken mit Johannes Brahms flirtet.

Theresa Immerz verkörpert Clara Schumann in all diesen Lebenslagen mit großer Intensität. Sie führt ihren klaren Sopran geschmeidig durch die vielen Dialoge. Was sie nicht tut: Klavier spielen! Diesen Part übernimmt Olga Wien im Orchestergraben mit eleganter Virtuosität. Regisseurin Carmen C. Kruse übersetzt auf der Bühne Claras Üben in das sorgfältige Pressen von Blumen. Wenn Robert Schumann komponiert, macht der Sänger Häufchen aus Sand. Das wirkt seltsam infantil, immerhin wird dazu ständig von Kunst und Musik gesungen.

Zu den spannendsten Szenen gehört Claras legendärer Kampf gegen ihren übermächtigen Vater. Pascal Zurek gibt ihn stimmgewaltig und vermittelt allein durch Körpersprache all die unangenehmen Eigenschaften dieses Charakters. Was soll man von einem Vater halten, der nicht nur das begabte Töchterlein zu Höchstleistungen anspornt, sondern auch ihr Tagebuch führt? Der sich einen Glorienschein aufsetzt, als sei Claras Karriere als Pianistin nur seiner Ausbildung und nicht auch ihrem großen Talent geschuldet?

Jungenhafter Charme

Johannes Fritsche verleiht der Figur Robert Schumann jungenhaften Charme und Verspieltheit, die später in Konkurrenz zur eigenen Frau um Zeit, Ruhe und Ruhm umschlägt und am Ende in Wahnsinn mündet. Johannes Brahms, von Patrik Hornak mit hellem Tenor als jugendlicher Freund der Familie dargestellt, wirbt vergebens um Claras Gunst. Gegen den toten Robert Schumann kommt er nicht an. Clara entscheidet sich in einem konzentriert gesungenen Monolog am Ende dafür, ihren vorzeitig verstorbenen Mann und sich selbst in Musik zu verewigen.

Im fließenden Parlando der Sänger spiegeln sich die Auseinandersetzungen eher hintergründig. Man muss dem Orchester zuhören. Da flattern Schumanns „Papillons“ über den Flügel, ein Hörnerruf signalisiert die Ankunft von Brahms, der sterbende Schumann meint, Schubert zu hören, und dazu erklingt ein Zitat aus Schuberts „Der Tod und das Mädchen“. Die Mitglieder der Karajan-Akademie, Nachwuchsschmiede der Berliner Philharmoniker, spielen wunderbar transparent.