760_0900_134546_258635014.jpg
Eine Frau betrachtet das Bild „Beyoncé Posing With Her Newborn Twins“. Rechts Dieric Bouts „Madonna mit Kind“.  Foto: Anspach/dpa 

Claudia Baumbusch im PZ-Forum: Mal innig, mal provokant - Mütter in der Kunst

Pforzheim. Manche Ausstellungen kommen zur rechten Zeit – und manche Kunstvorträge auch: Claudia Baumbusch stellt im PZ-Forum die Ausstellung „Mutter!“ in der Mannheimer Kunsthalle vor, die „in einer Zeit des grassierenden Wandels aufzeigt, was die ganze Menschheit verbindet“. Dabei geht die Schau mit rund 100 Exponaten nicht chronologisch vor, sondern nach Themen, die auch Baumbusch in ihrem Vortrag aufnimmt, historische Gemälde mit aktuellen Bildern, Fotografien oder Filmen in Bezug setzt und dabei viele eindringliche und spannende Geschichten erzählt.

Madonnen

Die Madonna des Niederländers Dieric Bouts (1410-1475) mit ihrem blauen Mantel und ihrer makellosen Schönheit samt hoher Stirn steht beispielhaft für historische Marienbilder. Schützend hält sie ihr Kind in den Armen – „ein Bild, das unsere Vorstellung der liebenden Mutter bis heute prägt“, sagt die Kunsthistorikerin. Auch Cindy Shermans Madonna ist geschminkt, allerdings verwandelt sich dieses auf den ersten Blick klassische Marienbild aus ihrer Serie der „History Portraits“ in eine absurde Inszenierung. Die Schminke ist dick aufgetragen, die vermeintliche Madonna trägt eine Perücke, die Brust ist aus Plastik und das Kind starr wie eine Puppe. Die 67-jährige Amerikanerin hinterfragt damit unsere Vorstellung von weiblicher Identität. Auch Popstar Beyoncé lässt sich von Fotograf Mason Poole mit ihren Zwillingen als Madonna inszenieren – in einem paradiesischen Garten und als stolze Mutter. Was ihr auch einige Kritik einbrachte.

Fürsorge

Das Bild der liebenden Madonna – heute sind es eher zwiespältige und scheiternde Mutterfiguren, die die Künstlerinnen und Künstler bewegen. Wie in dem Mutter-Sohn-Bild von René Magritte. Doch hier sind die Rollen vertauscht, der Sohn muss sich um die Mutter kümmern. Das Bild „Der Geist der Geometrie“ (1937) ist eng verknüpft mit dem Schicksal des belgischen Malers, dessen psychisch kranke Mutter sich das Leben nahm, als er 13 Jahre alt war.

Fruchtbarkeit

Von präkolumbianischen Fruchtbarkeitsfiguren um 1000 vor Christus schlägt Claudia Baumbusch den Bogen zu aktuellen Arbeiten. In ihrer Serie „Annonciation“ dokumentiert die finnische Künstlerin Elina Brotherus ihre leidvollen und erfolglosen Versuche, Mutter zu werden. Das Selbstporträt „My Dog Is Cuter Than Your Ugly Baby“ (Mein Hund ist süßer als dein hässliches Baby) entstand kurz nach einer weiteren gescheiterten künstlichen Befruchtung.

Rolle in der Gesellschaft

Mit dem Aufkommen der Antibabypille wird ab 1960 die Kontrolle der Frauen über ihren eigenen Körper erweitert. Im Mittelpunkt der heutigen Debatte steht unter anderem die Frage, welche Familienkonstellationen und Möglichkeiten der Elternschaft der Staat anerkennen soll. Der Dokumentarfilm „Paris is Burning“ (Trailer: www.pzlink.de/burning) begleitet eine Gruppe von queeren und Transpersonen in der New Yorker Dragszene. Von ihren Familien verstoßen, haben sie sich in Kollektiven versammelt. Jedes dieser Häuser wird von einer Mutter geleitet, die entweder eine ältere Dragqueen oder eine transsexuelle Frau ist.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim, Friedrichsplatz 4, ist bis 6. Februar täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet.

Sandra Pfäfflin

Sandra Pfäfflin

Zur Autorenseite