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Der Radierer Hieronymus Hopfer porträtiert 1530 Sultan Süleyman.
Der Radierer Hieronymus Hopfer porträtiert 1530 Sultan Süleyman.
Europas Blick weitet sich, erstmals wird der Globus umrundet: Die großen Veränderungen in der Renaissance zeigt die Züricher Ausstellung. LMZ
Europas Blick weitet sich, erstmals wird der Globus umrundet: Die großen Veränderungen in der Renaissance zeigt die Züricher Ausstellung. LMZ
Piero della Francescas berühmtes Gemälde des Herzogs von Urbino.
Piero della Francescas berühmtes Gemälde des Herzogs von Urbino.
16.09.2016

Claudia Baumbusch referiert im voll besetzten PZ-Forum

Nein, mit Botticellis berühmter Venus, der Inkunabel der Renaissance, hat dieser Abend im PZ-Forum wenig zu tun. Denn was Claudia Baumbusch den gespannten Zuhörern zum Auftakt der Herbstsaison präsentiert, ist kein kunstgeschichtlicher Diskurs, sondern eine lebhafte und informative Einführung in das, was die Renaissance bewerkstelligt hat und was sie ausmacht.

Anlass dazu ist die große Ausstellung im Landesmuseum Zürich (bis 27. November), die die von etwa 1400 bis 1600 dauernde Epoche als gesamteuropäische Erscheinung sieht, als eine Zeit des Transfers von Ideen – über große Entfernungen und lange Zeiträume hinweg. Doch was macht die Renaissance so bedeutend?

Glorifizierung der Macht

Die Renaissance entsteht – vorwiegend in Oberitalien – in einer Welt politischer Vielfalt und Konkurrenz, in der es Söldnerführer wie Federico da Montefeltro zu Ruhm – als Herzog von Urbino – und Reichtum bringen. Und berühmte Künstler engagieren können, die von ihrem Mäzenatentum künden, wie das bekannte Bild von Piero della Francesca noch heute aufzeigt.

Handel und Münzwesen

Florenz prägt 1252 erstmals den Florin, eine Goldmünze, die schnell in Europa kursiert. Weil sich der Handel bis in den Nahen Osten und den hohen Norden ausweitet, werden große Geldeinheiten benötigt. Die doppelte Buchführung wird erfunden, um die verzweigten Geschäftsvorgänge zu bearbeiten. Geschlechter wie die Medici in Florenz oder die Fugger in Augsburg prägen die Zeit.

Die Pest

So zynisch es klingen mag: Der in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts wütende „Schwarze Tod“, für den eine kleine Eiszeit den Boden bereitete, rafft rund ein Drittel der Bevölkerung dahin und konzentriert somit den Besitz in den Händen der wenigen Überlebenden, die mit wohltätigen Stiftungen und frommen Bildern Gott und gleichzeitig dem Lebenshunger huldigen.

Eroberung Konstantinopels

Als Sultan Mehmet II. am 29. Mai 1453 Konstantinopel einnimmt, ist die christliche Welt entsetzt. Byzantinische Mönche fliehen in den Westen und bringen ihre Bibliotheken voll bislang unbekannter Handschriften nach Italien mit.

Wiedergeburt der Antike

Zahlreiche dieser Schriften führen auch dazu, dass sich eine Laienkultur entwickelt, in der Rhetorik, Poesie und Sprachwissenschaften gepflegt werden, die auf Denker, wie Aristoteles oder Platon zurückgehen. Humanisten – wie auch der Pforzheimer Johannes Reuchlin – fahnden nach alten Manuskripten und Inschriften, um sie zu übersetzen.

Mensch und Natur

Dichter wie Dante, Petrarca oder Boccaccio rücken menschliche Größe und Schwäche in den Mittelpunkt des Interesses. Auch die Naturschilderung findet erstmals bereiten Raum.

Zentralperspektive

Nicht nur der Blick der Künstler auf den Menschen ändert sich, in dem nun auch weniger vorteilhafte Seiten in die Abbildung einfließen, auch die Landschaftsdarstellungen erhalten einen staunenswerten Realismus, etwa bei den niederländischen Malern. Revolutionär ist jedoch um 1400 die Erfindung der Zentralperspektive durch Filippo Brunelleschi.

Buchdruck

Als „größte Revolution der Menschengeschichte“ beschreibt Baumbusch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg um 1450 in Mainz. Dass jedoch bereits im Jahr 1469 mehr gedruckte, als geschriebene Bücher entstehen, beruht auf einer chinesischen Erfindung: dem Papier, das in der Renaissance seinen Weg nach Europa findet. Auch für die Reformation wirkten die gedruckten Schriften beflügelnd, können doch nun Flugblätter eine weite Verbreitung finden. Als Dreh- und Angelpunkt dieser Entwicklung erweist sich Basel, wo von 1431 bis 1449 das Konzil tagt, das „diese Medienrevolution“ befördert.

Neue Welten

Der Renaissance gelingt es erstmals, in die abgelegensten Winkel der Welt hervorzudringen, wie Christoph Kolumbus, der im Jahr 1492 Amerika entdeckt.

Medizin

Die antike Medizin wird zusehends infrage gestellt, und die Veröffentlichung der „Sieben Bücher über den Aufbau des menschlichen Körpers“ des flämischen Anatomen Andreas Vesalius werden zum Meilenstein der Medizingeschichte.