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10.03.2009

Claudia Baumbusch stellt Frans Hals in Bildervortrag vor

PFORZHEIM. Frans Hals ist eine der Leitfiguren im „Goldenen Jahrhundert“ der holländischen Malerei. Nach 1580 in Antwerpen geboren – einer von den Spaniern unter Philipp II. gedemütigten und besetzten Stadt, aus der seine Eltern in die noch freien, prosperierenden nördlichen Niederlande flüchteten – begründete er in Haarlem zusammen mit anderen Malerkollegen jene große Kunstepoche des 17.Jahrhunderts.

Der Künstler gilt als Revolutionär der Porträtmalerei. Das wurde von Claudia Baumbusch in ihrem Bildervortrag zur noch bis zum 7. Juni dauernden Münchener Ausstellung „Frans Hals und Haarlems Goldene Zeit“ (die PZ berichtete) deutlich herausgearbeitet. Im PZ-Forum zeigte die Kunsthistorikerin eine Lichtbildaufnahme des 1633 geschaffenen „Pieter van den Broecke“-Porträts und erläuterte, wie es Hals gelingt, sein Modell „mit Blicken“ unkonventionell in Szene zu setzen. Wie Licht- und Schatten-Akzente, die „frischen roten Bäckchen“ und die luftige Halskrause einen „nach dem Leben gemalten“, vor Lebensfreude sprühenden „Mann von Welt“ präsentieren, der als niederländischer Kaufmann in der Vereinigten Ostindischen Kompanie eine große Karriere gemacht hatte.

Vor allem mit seinen Gruppen-Porträts wird Hals, so formulierte Baumbusch, „die Lichtgestalt der Haarlemer Kunst“. Wegen der kriegerischen Zeiten im 80-jährigen Befreiungskampf der Niederländer gegen die Spanier waren die zu bewaffneten Bürgerwehren umgebildeten Schützengilden hochbedeutsam geworden. Hier versammelte sich die bürgerliche Oberschicht in militärisch geordneter Hierarchie. Die Offiziere ließen sich gern porträtieren, am liebsten bei Versammlungen wie der traditionellen „Schützenmahlzeit“. Also eine reichlich sprudelnde Einnahme-quelle für die Haarlemer Malerzunft. Anhand von Bildvergleichen demonstrierte Claudia Baumbusch eindrucksvoll, welche Dynamik Hals, dem wohl ebenso wie seinen Kollegen von den Auftraggebern strenge Vorgaben gemacht wurden, diesen Gruppenbildern zu verleihen verstand. Der Wunsch eines jeden Mitglieds der Gilden-Versammlung, vorteilhaft platziert zu werden, stellte hohe Anforderungen an die Gestaltungskunst der Maler. Meist zeigen kolossale Breitwandgemälde eine Ansammlung von Personen in unnatürlicher Pose, die Gesichtszüge erstarren in feierlicher Selbstehrfurcht. Frans Hals dagegen gelang es, die repräsentativen Gilden-Runden in bewegte Gesellschaften aufzulösen.

Seine Festmahlzeiten sind besinnlich heitere Veranstaltungen, die häufig verwendeten hellen Farbtöne heben noch zusätzlich die Lebendigkeit seiner Schützen-Stücke hervor.

Dennoch ist Hals, der ein hohes Alter erreichte und 1666 an seinem Wirkungsort starb, nur im Umkreis seiner Haarlemer Malerfreunde zu denken, die neben den Schützen-Bildern eine ganze Reihe von Genres neuartig aus der Taufe hoben. Die wichtigsten davon stellte auch Baumbusch vor. So die realistischen Landschaftsmaler Jan van Goyen oder Salomon van Ruysdael, die der holländischen Landschaft „ihr wirkliches Gesicht“ zurückgaben. Oder die „Gartenpartien“ und fröhlichen Bauern-Gesellschaften, eine Spezialität Esaias van de Veldes, sowie die „Frühstücks-Stillleben“ des Pieter Claesz. Pieter Saenredam wurde mit calvinistisch schmucklosen Kircheninterieurs berühmt. Hendrick Vroom und Cornelis Verbeeck bereicherten mit ihrer Marine-Malerei die Gattung des holländischen Seestücks. Nahezu alle „Haarlemer“, und das betonte die Kunsthistorikerin abschließend, lassen aber in ihren Bildern durch mancherlei allegorische Anspielungen die „Vergänglichkeit als Lebensthema“ aufscheinen.