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Die Gartenseite der Villa Flora in Winterthur. Foto: privat
Die Gartenseite der Villa Flora in Winterthur. Foto: privat
Aufsehenerregendes Bild: „Die Weiße und die Schwarze“ von Félix Vallotton von 1913 aus der Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler.Foto: Reinhardt
Aufsehenerregendes Bild: „Die Weiße und die Schwarze“ von Félix Vallotton von 1913 aus der Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler.Foto: Reinhardt
18.05.2017

Claudia Baumbusch stellt Kunstsammlung Hahnloser vor

Pforzheim. Warum sammeln Menschen? Und vor allem was? Berühmte Sammlungen sind gerade im Kunstbereich höchst spannend. Deshalb wird sich – in loser Folge – das Kunst-Forum mit Claudia Baumbusch mit diesem Thema beschäftigen. Den Auftakt machte nun im PZ-Forum die Sammlung Hahnloser. Aus gutem Grund.

Denn die Kollektion des Schweizer Paares ist heimatlos, auf Tour und macht gerade in der Staatsgalerie Stuttgart Station. Mit 100 Meisterwerken. Eine Auswahl aus der Bilderfülle, die der Augenarzt Arthur Hahnloser und seine kunstsinnige Frau Hedy zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammengetragen haben. 1898 erwirbt die Kunstgewerblerin mit ihrem Teil des Erbes das „Haus zur Flora“ und zieht als Frischvermählte ein. Zuerst beherbergt die Villa an der Tösstalstraße in Winterthur noch die Augenklinik ihres Mannes, doch mehr und mehr wandelt sich der stetig erweiterte Gebäudekomplex zum Museum. Zuerst zum rein privaten, ab 1995 zum öffentlichen. Das muss jedoch im April 2014 schließen: Die Stadt Winterthur hat ihren Subventionsvertrag gekündigt, und das Geld der Stiftung reicht nicht für die notwendigen Sanierungsmaßnahmen. Die Zeit wird zeigen, ob die Werke jemals wieder in diese wunderbare Villa zurückkehren, die mit ihrer historischen Einrichtung und dem Ambiente eines Atelierhauses so ganz aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Und gleichzeitig so sehr in ihrer Zeit verhaftet ist: Für Hedy Hahnloser-Bühler (1873-1952) war Kunst das Mittel, um die eigene Epoche besser zu verstehen, am Puls der Zeit zu sein.

Dass sie mit der Wahl der Künstler ihre Freunde und Bekannten durchaus schockierte, nahm sie wohl mehr als nur billigend in Kauf. Noch stark dem Impressionismus verhaftet ist einer ihrer ersten Ankäufe: Bilder von Giovanni Giacometti, dem Vater des berühmten Bildhauers. Schon mit ihm stehen die Hahnloser in engem Briefkontakt, zu Félix Vallotton entspinnt sich sogar eine enge Freundschaft. Seine „Badende“ gelangt 1908 in die Sammlung und erregt mit ihrer schonungslosen Nacktheit die Gemüter. Und findet doch einen prominenten Platz im Salon der Sammler. Gleich neben Vallottons wohl berühmtestem Werk „Die Weiße und die Schwarze“ – nicht minder provokant und radikal in der Farbgebung.

Auch Pierre Bonnard findet sich in der Sammlung – wie viele seiner Kollegen hat auch er die Familie gemalt. „Wie ein Schnappschuss erscheint die Gruppe auf dem Segelboot“, schildert Baumbusch das Werk des Post-Impressionisten. Mit den Bildern von Henri Matisse beschreiten die Schweizer schließlich den Weg der „radikalen Abkehr“ vom Naturalismus. In Kontakt mit dem Franzosen kommen die Hahnlosers über ihre Freundschaft mit dem Maler Henri Manguin, der ebenfalls der Gruppe der Fauves, der französischen Avantgardisten zu Anfang des 20. Jahrhunderts, angehört. Doch auch die Vorläufer interessieren die Sammler, und so gelangen Bilder von Vincent van Gogh und Paul Cézanne, von Edouard Manet und Auguste Renoir in die Sammlung. Besonders eng verbunden sind die Winterthurer mit ihrem Landsmann Ferdinand Hodler – bereits 1907 erwerben sie Werke direkt bei ihm, und auch der Ankauf eines seiner letzten Werke, dem „Jungfraumassiv von Mürren aus“, im Jahr 1911 ist ein Zeichen der Freundschaft, die diese „Mäzene vom Feinsten“, so Baumbusch, mit ihren Künstlern und in vielen Fällen Altersgenossen von Arthur Hahnloser (1870-1936) pflegen.