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Das wohl berühmteste Werk Michelangelos: „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle in Rom.  dpa
Das wohl berühmteste Werk Michelangelos: „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle in Rom. dpa
Revolutionär: Michelangelo stellt seinen 5,17 Meter hohen „David“ nicht als Jüngling dar, der Goliath besiegt, sondern in der Konzentration vor dem Kampf.
Revolutionär: Michelangelo stellt seinen 5,17 Meter hohen „David“ nicht als Jüngling dar, der Goliath besiegt, sondern in der Konzentration vor dem Kampf.
Die unvollendete Rondanini-Pietà ist das letzte Werk Michelangelos.
Die unvollendete Rondanini-Pietà ist das letzte Werk Michelangelos.
03.02.2017

Claudia Baumbusch stellt Leben und Werk Michelangelos vor

Er gilt als Universalgenie – einer, der alles kann: Malerei, Bildhauerei, Architektur, Botanik, Astronomie, ja sogar Dichtkunst. Am Mythos Michelangelo hat schon zu Lebzeiten sein Biograf Giorgio Vasari gestrickt.

Und wie sehr dieser Künstler, der wie kein andere die Renaissance zu einem Höhepunkt führte und das Barock vorbereitete, heute noch fasziniert, zeigt allein schon das Interesse am Vortrag von Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch: Bei zwei Terminen lauschten rund 400 Zuhörer den spannenden Ausführungen und folgten dem Blick auf ein 89 Jahre langes Leben. Ein Überblick:

1475 Michelangelo wird in Caprese als Sohn des wohlhabenden Florentiners Ludovico Buonarroti geboren, der zu dieser Zeit Bürgermeister des Ortes ist.

1488 Endlich darf Michelangelo seine Lehre bei den Brüdern Davide und Domenico Ghirlandaio aufnehmen. Bereits seit früher Kindheit malt er – „sehr zum Leidwesen seines Vaters, der lange versucht hat, ihm diese unstandesgemäße Neigung auszutreiben“, sagt Baumbusch. Doch das Bild des Handwerkers hin zum autonomen Künstler ändert sich – auch dank Lorenzo de’ Medici, in dessen Kunstschule Michelangelo ein Jahr später eintritt. Er ist gerade mal 17 Jahre alt, als sein ausdrucksstarkes Relief „Madonna an der Treppe“ entsteht, das aus einer flachen Marmorplatte herausgehauen eine enorme perspektivische Tiefenwirkung entfaltet.

1496 Michelangelo kommt in Rom an – nach der Flucht aus Florenz via Venedig und Bologna. Hier wird er bis zu seinem Tod immer wieder zusammen mit Florenz seinen Lebensmittelpunkt haben – und insgesamt elf Päpste erleben.

1498 Der 23-Jährige unterzeichnet einen Vertrag mit dem französischen Kardinal Jean de Bilhères de Lagraulas für eine Pietà. Es entsteht die berühmte Dreieckskomposition – „eine Darstellung der Jungfrau Maria mit ihrem toten Sohn im Arm, wie sie Italien so noch nicht kannte“, schildert die Kunsthistorikerin.

1501 Der Durchbruch: Er erhält den Auftrag für den „David“. Michelangelo soll aus einem verhauenen Marmorblock, an dem sich 40 Jahre zuvor schon zwei Künstler versucht hatten, eine Monumentalfigur schaffen. Und es gelingt – auf spektakuläre Weise. Anders als seine Vorgänger, stellt er seinen David nicht in Siegerpose dar, sondern in gespannter, konzentrierter Erwartung vor dem Kampf – „die Schleuder lässig über die Schulter geworfen.“

1505 Papst Julius II. ruft Michelangelo nach Rom und beauftragt ihn mit der Errichtung seiner Grabstätte – der Auftakt einer schier endlosen Geschichte, wird das Grabmal doch erst 1545 in stark vereinfachter Form vollendet. Dazwischen schiebt sich ein anderer wichtiger Auftrag.

1508 Im Mai beginnt Michelangelo mit der Ausmalung des Deckengewölbes der Sixtinischen Kapelle – 1100 Quadratmeter, für die es mehrere Anläufe braucht (der Putz des Freskos schimmelt). Julius II. hatte zwölf Apostel bestellt, Michelangelo liefert unter anderem „Die Erschaffung Adams“. Hier habe der Künstler, so Claudia Baumbusch, „wie schon beim David den entscheidenden Moment im Bild festgehalten: Der winzige Augenblick, ehe sich die Finger von Gott und Adam berühren“. In den Folgejahren arbeitet Michelangelo wie ein Besessener, pendelt zwischen Rom und Florenz.

1547 Michelangelo wird zum Baumeister von St. Peter ernannt, entwirft das Holzmodell der berühmten Kuppel des Petersdoms, dessen Fertigstellung er nicht mehr erlebt.

1564 Am 18. Februar stirbt Michelangelo in Rom.