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Das Ölgemälde „Gegenklänge“ von Wassily Kandinsky aus dem Jahr 1924.
Das Ölgemälde „Gegenklänge“ von Wassily Kandinsky aus dem Jahr 1924.
Von wem stammt welches Bild? In der Ausstellung „Klee & Kandinsky“ im Lenbachhaus in München hängt „Gewagt Wägend“ von Paul Klee (1930, links) neben „Außer Gewicht“ von Wassily Kandinsky.  Balk
Von wem stammt welches Bild? In der Ausstellung „Klee & Kandinsky“ im Lenbachhaus in München hängt „Gewagt Wägend“ von Paul Klee (1930, links) neben „Außer Gewicht“ von Wassily Kandinsky. Balk
Klees Aquarell „Rosengarten“ aus dem Jahr 1920. Foto: Lenbachhaus
Klees Aquarell „Rosengarten“ aus dem Jahr 1920. Foto: Lenbachhaus
Klee (rechts) und Kandinsky im baskischen Ort Hendaye im August 1929.
Klee (rechts) und Kandinsky im baskischen Ort Hendaye im August 1929.
30.10.2015

Claudia Baumbusch stellt im PZ-Forum Paul Klee und Wassily Kandinsky vor

Claudia Baumbusch beginnt ihren Vortrag über die Maler Wassily Kandinsky und Paul Klee mit einem Foto: Die beiden Künstler haben sich für ein Urlaubsbild 1929 in Pose geworfen – Rietschels berühmtes Schiller-Goethe-Denkmal lässt aus Weimar grüßen. Und bei allem Augenzwinkern: Die beiden Lehrer am Dessauer Bauhaus sind auf der Höhe ihres Ruhms, selbstbewusst, von den Kunstfreunden gefeiert, präsentieren sie sich als ebenbürtige Künstlerfreunde.

„Wobei die charakterlichen Unterschiede die demonstrierte Einigkeit durchaus infrage stellen“, sagt die Kunsthistorikerin im vollbesetzen PZ-Forum. Und: „Es war eine bürgerlich-kultivierte Freundschaft – beide siezten sich ein Leben lang.“

Als großartiges Dokument dieser über 30 Jahre währenden künstlerischen Beziehung zeigt die Ausstellung „Nachbarn, Freunde, Konkurrenten“ im Münchner Lenbachhaus die gegenseitige Beeinflussung, das Sich-Aufeinander-Beziehen, aber auch der manchmal neidvolle Blick aufeinander. Beide stehen sie im Zentrum der Entstehung der künstlerischen Moderne, beide vollziehen in ihrer Kunst eine ungeheuere Entwicklung, und beide werden sie – künstlerisch und privat – in den Zeiten zweier Weltkriege immer wieder zurückgeworfen.

Nachbarn in Schwabing

Kandinsky (1866–1944) und Klee (1879–1940) lernen sich 1911 als Nachbarn in Schwabing kennen. Der gebürtige Russe ist mit kraftvollen Farbflächen-Gemälden bereits auf dem Weg zur Abstraktion. Der gebürtige Berner noch ganz in seiner Zeichenkunst versunken. Und so ist Paul Klee erst bei der zweiten Ausstellung des von Kandinsky mitinitiierten „Blauen Reiter“ vertreten, als die Münchner Künstlervereinigung 1912 neue Tendenzen in Zeichnung und Druckgrafik vorstellt.

Lehrer am Bauhaus

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs trifft beide auf unterschiedliche Weise: Kandinsky muss als „feindlicher Ausländer“ Deutschland verlassen, Klee wird 1916 zum Kriegsdienst eingezogen. Doch während der ältere Künstlerfreund durch die russische Revolution sein gesamtes Vermögen und einen Großteil seiner Kunstwerke verliert, kann Klee, der im Hinterland eingesetzt ist, weiterarbeiten und mit seinen „romantischen Aquarellen“ Kult-Status erlangen. Als die beiden 1922 als Lehrer am Bauhaus in Weimar wieder aufeinander treffen, hat sich die Situation geändert: Der „kleine Klee“ ist nun der Vorreiter, lässt mit der internationalen Anerkennung seiner Arbeit Kandinsky in seinem ständigen Kampf um die abstrakte Kunst weit hinter sich. Dieses Verhältnis bleibt auch nach 1925 erhalten, als sie mit dem Bauhaus nach Dessau übersiedeln, wo sie in den neuen Meisterhäusern von Walter Gropius Tür an Tür wohnen. Doch schon sechs Jahre später trennen sich die Wege wieder.

Ein letztes Wiedersehen

Klee folgt einem Ruf an die Kunstakademie Düsseldorf, zieht eine durchwachsene Freundschaftsbilanz: „Es ist eine Freundschaft, die über eine Reihe von negativen Posten hinwegkommt, weil die Plusseite standhält.“ Der Nationalsozialismus sorgt wiederum für eine neue Konstellation: Beide Künstler verlassen Deutschland, Klee erkrankt schwer an Sklerodermie, lebt zurückgezogen in Bern, Kandinsky im französischen Neuilly-sur-Seine. 1937 zeigt die Kunsthalle Bern eine große Kandinsky-Schau, aus deren Anlass sich die beiden Freunde ein letztes Mal treffen – und der 70-Jährige den Jüngeren noch einmal anspornen kann: 1939 erreicht Klees künstlerische Produktivität den Höhepunkt mit 1253 registrierten Werken. Er stirbt am 29. Juni 1940, vier Jahre vor Kandinsky.