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Besucher betrachten in der Schau „America! America! How Real Is Real?“ das Werk „Mercedes-Benz Formel Rennwagen W 125“ von Warhol, rechts die Arbeit „Smoke“ von Wesselmann. Foto: ANN/PostMachine/dpa
Besucher betrachten in der Schau „America! America! How Real Is Real?“ das Werk „Mercedes-Benz Formel Rennwagen W 125“ von Warhol, rechts die Arbeit „Smoke“ von Wesselmann. Foto: ANN/PostMachine/dpa
Einer der berühmten Marilyn-Monroe-Siebdrucke von Andy Warhol. Foto: ANN/PostMachine/dpa
Einer der berühmten Marilyn-Monroe-Siebdrucke von Andy Warhol. Foto: ANN/PostMachine/dpa
„Think“ von William Copley. Foto: ANN/PostMachine/dpa
„Think“ von William Copley. Foto: ANN/PostMachine/dpa
Roy Lichtenstein mal eine rothaarige Frau am Telefon und eine Sprechblase mit dem Inhalt „Ohhh...Alright...“. Foto: ANN/PostMachine/dpa
Roy Lichtenstein mal eine rothaarige Frau am Telefon und eine Sprechblase mit dem Inhalt „Ohhh...Alright...“. Foto: ANN/PostMachine/dpa
19.04.2018

Claudia Baumbusch stellt im PZ-Forum die Künstler der Pop Art vor

Pforzheim. Als Kurator Helmut Friedel vor knapp zwei Jahren die Ausstellung „America! America!“ für das Museum Frieder Burda in Baden-Baden plant, ist Donald Trump noch ganz frisch als US-Präsident im Amt. Doch schnell ist dem Ausstellungsmacher klar: Die Schau kann kein reiner Rückblick auf die Größen der Pop-Art werden.

„How Real Is Real?“ – wie wahr ist wahr? – fragt die Schau nun angesichts von „Fake News“ und „Alternative Facts“. Wie sehr sich die Größen der Pop Art schon in den 1960er-Jahren der Manipulation, der verschiedenen Erzählarten, der Wirkmacht von Bilderfluten bewusst waren und sie in ihren Werken deutlich sichtbar machten, das zeigte Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch in ihrem spannenden Vortrag, der die großen Künstler dieser Jahrzehnte in den Fokus rückte, im nahezu ausverkauften PZ-Forum auf.

Andy Warhol (1928–1987): Der Sohn eines armen Einwandererpaars mit russischen Wurzeln ist die Ikone der Pop Art. Schon als junger Grafiker kommt er in New York zu Ruhm und Ehre. Die Werbung finanziert und fasziniert ihn, bis er sich fast ausschließlich der Kunst widmet. Schnell entdeckt er den Siebdruck für sich – und so entstehen Bilder, die die Amerika-Sicht einer ganzen Generation prägen: die berühmten Campbell-Suppendosen, und natürlich seine Marilyn-Monroe-Bilder, die er nach ihrem Tod 1962 gestaltet. Warhol besorgt sich ein Foto des Schönheitsidols und Sexsymbols, malt einen farbigen Hintergrund, der ihren Kopf andeutet, Lidschatten und Lippen unterlegt er in einer anderen Farbe, bevor das Foto auf die grundierte Fläche gedruckt wird: die Popversion der schönsten Frau der Welt, zigtausendfach abgebildet, für jeden und stets verfügbar.

Jasper Johns (geboren 1930) malt unter anderem die amerikanische Flagge und stellt als einer der Ersten die Frage: Was ist wirklich, was ist nur Abbild?

Robert Rauschenberg (1925–2008) durchbricht die Grenze zwischen Malerei und Objektkunst, will die Gegenwart, etwa in seiner Collage mit John F. Kennedy und Szenen der Mondlandung, als lebendige und unkontrollierbare Ereignisfülle naherücken.

James Rosenquist (1933–2017) möchte zum Nachdenken über vertraute Bilder im Kopf anregen. Wie er das macht? Etwa indem er den Hollywood- und Werbefilmchen-Star Joan Crawford ins Gemälde rückt – verfremdet und mit einem Werbeslogan, der nicht mehr lesbar ist.

Roy Lichtenstein (1923–1997) ist der Künstler, der den Comic-Strip monumentalisiert. Seine Frauen – ob rothaarig oder blond – sind ein Spiegel der Welt der 1960er: mit den Wegwerfverpackungen, Punktrastern und dem billigen Papier, auf dem die Comics gedruckt werden. „Und dennoch sind sie wunderschön“, sagt Kunsthistorikerin Baumbusch.

Tom Wesselmann (1931–2004) malt ebenfalls Frauen. Doch so ganz anders als Lichtenstein: Seine berühmten „Great American Nudes“ zeigen anonymisierte weibliche Körper als werbewirksames und umsatzsteigerndes Sexualobjekt.

Richard Hamilton (1922–2011) ist der Begründer der britischen Pop Art, entwirft Bilder in einer Mischung aus Faszination und Ironie gegenüber den Symbolen der amerikanischen Überflussgesellschaft – doppeldeutig, raffiniert. In seiner Collage „Just What Is It That Makes Today’s Homes So Different, So Appealing?“ (Was macht das Zuhause von heute nur so anders, so anziehend?) von 1964 verbindet er einen Muskelmann, der einen „Lolli-Pop“, einen Lutscher, vor sein bestes Stück hält, mit einer staubsaugenden Hausfrau, ein Comicplakat mit einem Ahnenbild, eine Fordplakette mit einer Schinkendose.

Niki de Saint-Phalle (1930–2002) gehört zu den Nouveau Réaliste, die französische Version der Pop Art und liefert unter anderem mit ihrer großen „Black Nana“ ein Statement zu den Rassenunruhen der 1968-Jahre in den USA.

William Copley (1919–1996) markiert mit seinem Gemälde „Think“ von 1972 den Auftakt der Ausstellung im Burda-Museum: „Denk!“ fordert er auf – nicht nur den Betrachter.