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Gerd Knebel (links) und Henni Nachtsheim mimen zwei seltsame Gastronomen. Fotos: Frommer
Gerd Knebel (links) und Henni Nachtsheim mimen zwei seltsame Gastronomen. Fotos: Frommer
Gerd Knebel (links) und Henni Nachtsheim können es auch musikalisch. Schließlich sind beide gestandene Musiker.
Gerd Knebel (links) und Henni Nachtsheim können es auch musikalisch. Schließlich sind beide gestandene Musiker.
Henni Nachtsheim weiß: Kein Hessen-Humor ohne den Bembel.
Henni Nachtsheim weiß: Kein Hessen-Humor ohne den Bembel.
19.05.2017

Comedy-Duo „Badesalz“ begeistert treue Fans im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Das kultige Comedy-Duo Badesalz vorstellen zu wollen, hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Oder wie es die beiden Protagonisten, Gerd Knebel und Henni Nachtsheim, in hessischer Maschinengewehr-Mundart vermutlich selbst sagen würde: „Dabrauchemergarnetdrübberredde.“ Badesalz verfügt über eine große und treue Fan-Gemeinde quer durch alle Altersgruppen, die den großen Saal im Kulturhaus Osterfeld spielend einschließlich der Empore füllt. Entsprechend euphorisch gerät schon der Begrüßungsbeifall des Pforzheimer Publikums.

Für das neue Programm schlüpfen die beiden gestandenen Komiker in die Rolle zweier hessischer Kneipiers, die jeweils einen ziemlich fertigen Imbiss betreiben. Der eine ist auf Krakauer spezialisiert, der andere auf Frikadellen. Durch Berichte über Kreuzungen zwischen Löwen und Tigern kommen beide auf die Idee, zu fusionieren. Nach allerlei Klamauk einigen sie sich auf den neuen Restaurantnamen „Dö Chefs“, der auch die aktuelle Tour überschreibt.

In diese minimalistische Rahmenhandlung webt das Comedy-Urgestein in rasanter Geschwindigkeit eine Vielzahl an Gags, Silbendrehern und Seitenhieben ein. Die besten Momente der Show spielen abseits der Kneipenwelt: beispielsweise bei der Bembel schwingenden Oscar-Ansprache von Hendrik „Henni“ Nachtsheim – „My English is not the yellow from the egg“, zu deren Abschluss er Nicole Kidman wortreich die Zubereitung von Handkäs erklärt und ein Päckchen mit Presskopf ankündigt. Noch besser: der Spanisch-Kurs aus dem Ghettoblaster, der beleidigt auf lernresistente Schüler reagiert und zu guter Letzt explodiert.

Auch die nur erwähnten Ideen, Starlight-Express mit Rollator fahrenden Senioren zu spielen oder Erbsen als Währung einzuführen (denn dann könne „wer stirbt, auch etwas vererbsen“) ist typisch Badesalz und knüpft fast nahtlos an die bereits Anfang der 1980er-Jahre begonnene Sketch-Tradition des Duos an.

Dass sich Knebel und Nachtsheim nicht in jeder Show komplett neu erfinden, nimmt ihnen niemand übel. Schade ist freilich, dass sich das hessische Comedy-Dream-Team erst im Rahmen der Zugabe auf seine Wurzeln besinnt. Denn beide Akteure blicken auf eine erfolgreiche musikalische Karriere zurück: Gerd Knebel als ehemaliger Sänger der Rockgruppe „Flatsch!“ und Hendrik „Henni“ Nachtsheim als Frontmann und Saxofonist der „Rodgau Monotones“. Ihre finale Verballhornung der Smash-Hits „Happy“ von Pharrell Williams und „Get Lucky“ von Daft Punk ist das musikalische Ausrufezeichen des Gastspiels. Hier hätte sich mancher im Saal fraglos mehr gewünscht.

Zuvor gab’s tatsächlich auch etwas – für Badesalz – ganz Neues: Die Hessen warfen eine rasche Abfolge cooler Selfies an die Wand. Sie zeigen per Photoshop eingefügte A- und B-Promis – die Klitschkos, Berlusconi, Obama oder auch Bischof Tebartz-van Elst – unter Beifall des Publikums umrahmt von den Badesalz-Mannen.